Märkte der Welt

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Australien verlegt 1.700 km neue Schienen für Güterzüge
Erscheinungsdatum Website: 10.09.2010 12:35:02
Erscheinungsdatum Publikation: 16.09.2010
SYDNEY (MdW/gtai)--Bis zum Jahr 2049 wird Australiens Bevölkerung von derzeit etwas mehr als 22 Mio auf 35 Mio Einwohner steigen. Der gegenwärtige Babyboom sowie die steigende Zahl an Einwanderern sorgen für unerwünschte Engpässe im Infrastruktursektor. Einem Bericht des National Housing Supply Council zufolge fehlten zur Jahresmitte 2010 weit mehr als 200.000 Wohnungen und Häuser. Bis zum Jahr 2019 wird diese Zahl nach dem derzeitigen Stand der Dinge auf insgesamt über 600.000 steigen, erwarten die Experten.
Der Bundesstaat New South Wales führte 2009 mit 57.000 fehlenden Familienunterkünften vor Queensland (56.000), Western Australia (30.200) sowie Victoria (22.000) das Ranking an. Dass allgemein die staatlichen Ausgaben für Infrastruktur zu gering sind, ist in Australien kein neuer Kritikpunkt. Die Agentur Infrastructure Australia gab kürzlich ihre jährliche Liste von notwendigen Projekten bekannt. Dabei kamen die Experten auf eine erforderliche Gesamtsumme von immerhin 83 Mrd AUD (etwa 58,1 Mrd EUR). Die Projektliste von Infrastructure Australia stellt eine Empfehlung für die Zentralregierung in Canberra dar.
Derzeit bleibt jedoch fraglich, welche Pläne von der neuen Regierung umgesetzt werden. Von der bisherigen Labor-Regierung, die das Ziel verfolgt, bis zum Wirtschaftsjahr 2012/13 (bis 30.6.) das Loch in der Staatskasse zu stopfen, sind abgesehen von den auslaufenden Konjunkturprogrammen kurzfristig allerdings keine neuen, außerplanmäßigen Ausgaben zu erwarten. Die Suche nach privaten Investoren kann daher beginnen. Dabei sollen zunehmend die Bundesstaaten dafür sorgen, neues Kapital zu beschaffen.
Pressemeldungen zufolge ist im Rahmen des Building Australia Fund kaum noch Kapitalspielraum für neue Projekte vorhanden. Dieser wurde im Mai 2008 verabschiedet und belief sich auf insgesamt 20 Mrd AUD, die für wichtige Infrastrukturprojekte, insbesondere im Transport- und Telekomsektor vorgesehen war. Projekte, die im Rahmen dieses Förderprogrammes noch an den Start gehen sollen, sind dem Vernehmen nach die Melbourne Metro Phase I (Projektwert etwa 4,9 Mrd AUD) sowie die Erweiterung des Pacific Highway (6 Mrd AUD). In der Warteschleife befinden sich die Süd-West-Eisenbahnverbindung (2,4 Mrd AUD) sowie der Oakajee Port (4 Mrd AUD).
Zu den prestigeträchtigen Zukunftsplänen der Labor-Regierung zählt unter anderem eine 1.700 km lange, durch das Landesinnere verlaufende Güterzugverbindung von Melbourne nach Queensland. Die Australian Rail Track Corporation hat bereits entsprechende Pläne formuliert und 20 Mio AUD (rund 14 Mio EUR) für eine Durchführbarkeitsstudie investiert. Im Eisenbahnsektor ist ebenfalls eine Hochgeschwindigkeitszugverbindung zwischen Sydney und Melbourne anvisiert. Dieser Plan ist allerdings erst für die kommenden Jahre vorgesehen.
Einer Studie des Forschungsinstituts BIS Shrapnel zufolge dürfte die Baubranche in den kommenden zwei Jahren mit einem mäßigen Wachstum bei Neuprojekten rechnen könnem. Diese Steigerung gehe noch auf das Konto der staatlichen Konjunkturprogramme, heißt es. Vom Wert her betrachtet sei es immerhin im Wirtschaftsjahr 2009/10 zu einem Wachstum von etwa 10% im Vergleich zum Vorjahr gekommen, nachdem 2008/09 ein Minus von 18% verbucht wurde.
Nach Auffassung der Master Builders Association of Australia spielt insbesondere die weitere Zinsentwicklung eine entscheidende Rolle für die Branche. Von Oktober 2009 bis Mai 2010 stieg der Leitzinssatz der Reserve Bank ("official cash rate") immerhin um 150 Basispunkte und lag danach bei 4,5%. Seitdem sahen die Verantwortlichen der Zentralbank allerdings keine Veranlassung für Erhöhungen. Dennoch erwarten Analysten, dass sich der Leitzins bis zum Jahresende 2010 auf etwa 5% einpendeln wird.
Während weltweit vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise Grundstücks- und Mietpreise aufgrund von schleppender Nachfrage tendenziell zurückgingen, blieben sie in den Wirtschaftsmetropolen Australiens konstant. Einem globalen Ranking des Unternehmens Cushman and Wakefield zufolge belegte Sydney zu Jahresbeginn 2010 Platz 15 in der Liste der Städte mit den höchsten Büropreisen. Im Jahr 2009 belegte die Finanzhochburg des fünften Kontinents noch Rang 29.
Michael Sauermost (gtai)

