Nachrichten für Außenhandel (NfA)

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Welt: Maßnahmen zur Abkopplung von China werden schärfer

Erscheinungsdatum Website: 21.09.2022 14:55:02
Erscheinungsdatum Publikation: 22.09.2022

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EU und USA mit strengen Gesetzesvorschlägen / Von Jacky Wong

SIDNEY (Dow Jones)--Corona, Russlands Krieg gegen die Ukraine und wachsende geopolitische Spannungen in Asien haben die globalen Lieferketten durcheinander gebracht. Bestrebungen haben im Westen Konjunktur, wichtige Lieferketten wieder in die Heimatländer zurückzuholen. Das gilt vor allem für solche, die mit China, dem Moloch der Industrie, verbunden sind.

Eine Abkopplung von der Volksrepublik, eine vollständige Unterbrechung der wirtschaftlichen Beziehungen, ist dabei unwahrscheinlich. Aber Lieferketten würden künftig weniger stark integriert sein als in der Vergangenheit. Dies hätte erhebliche Folgen für Firmen wie Verbraucher und wahrscheinlich auch für die langfristigen Inflationserwartungen.

Zwei Gesetzesvorschläge aus Europa sind das jüngste Beispiel dafür, wohin die Reise geht. Vergangene Woche schlug die EU ein Verbot von Produkten vor, die mit Hilfe von Zwangsarbeit entstehen. China wird darin zwar nicht namentlich genannt, doch ist der Vorwurf, dass Uiguren in der Region Xinjiang Zwangsarbeit leisten müssen, die klare Zielrichtung des Gesetzes. UN-Berichte haben in den vergangenen Wochen bei diesem Thema zusätzlich für Aufruhr gesorgt. In einem ist zu lesen, es sei "vernünftig, zu dem Schluss zu kommen", dass in Xinjiang Zwangsarbeit stattgefunden habe. Und die Menschenrechtsorganisation der UN erklärte, das Reich der Mitte habe Verbrechen gegen Uiguren und andere muslimische Minderheiten begangen. Beijing streitet alle derartigen Behauptungen ab.

Das vorgeschlagene EU-Gesetz sieht allerdings weniger streng aus als sein US-Pendant. In den USA müssen Importeure nachweisen, dass Produkte aus Xinjiang nicht mithilfe von Zwangsarbeit entstanden sind - eine unglaublich hohe Hürde. Im EU-Vorschlag sollen Produkte erst nach Abschluss einer Untersuchung gesperrt werden, wenn Zwangsarbeit nachgewiesen ist. Das könnte sich allerdings ändern, da der Vorschlag von Rat und EU-Parlament genehmigt werden muss. Bis der aktuelle Vorschlag Gesetz wird, könnten also noch Jahre ins Land gehen. Trotzdem wächst der Druck auf Unternehmen ihre Lieferketten zu überdenken, zumal das Gesetz in den Vereinigten Staaten bereits in Kraft ist. In einigen Branchen könnte der Umbau schwierig werden - etwa in der von China dominierten Lieferkette für Photovoltaik. Xinjiang mit seinem Zugang zu reichlicher und billiger Kohle-, Solar-und Windenergie ist ein wichtiger Produzent des Vorprodukts Polysilizium, ohne das Solarzellen nicht auskommen.

Laut Morgan Stanley ist Europa Chinas größter Einzelmarkt für Solarexporte. Chinesische Lieferungen von Solarmodulen nach Europa sind in der ersten Jahreshälfte um 137% nach oben geschnellt, erklärte die Bank.

Ein weiterer Gesetzesvorschlag aus Europa zielt direkt darauf ab Chinas Dominanz anzugehen, die sich auch auf die Verarbeitung von Lithium und anderen für erneuerbare Energietechnik wichtigen Mineralien erstreckt. Europa möchte mit dem Gesetz heimische Produktion, Verarbeitung und Recycling solcher Rohstoffe beschleunigen.

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