Nachrichten für Außenhandel (NfA)

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Welt: Biotech - das nächste Schlachtfeld zwischen den USA und China?

Erscheinungsdatum Website: 19.09.2022 13:45:03
Erscheinungsdatum Publikation: 20.09.2022

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Biden will mehr Inlandsproduktion / Von Jacky Wong

SYDNEY (Dow Jones)--Die Beziehungen zwischen den USA und China haben sich derart verschlechtert, dass der Finanzmarkt mittlerweile schon das Schlimmste annimmt, sobald es in den Nachrichten auch nur Anzeichen für möglicherweise eskalierende Spannungen gibt. Das jüngste Opfer: Chinesische Biotech-Unternehmen. Deren Aktien, insbesondere jene solcher Firmen, die einen hohen Teil ihres Umsatzes in den Vereinigten Staaten erwirtschaften, stürzten ab, nachdem US-Präsident Joe Biden eine Durchführungsverordnung zur Förderung der Inlandsproduktion für die Biotech-Branche unterzeichnet hatte.

Das Papier von Wuxi Biologics, ein Dienstleister in Forschung und Produktion für viele global tätige Pharmaunternehmen, hat seither deutlich an Wert verloren. Die Aktie des chinesischen Konkurrenten Pharmaron sackte unterdessen in Hongkong ab, auch jene von Hangzhou Tigermed.

Dabei hat die Verordnung bislang lediglich einen Prozess in Gang gesetzt, bei dem verschiedene Ministerien Berichte erstellen und Pläne erarbeiten. Im Hintergrund steht jedoch China als großer Player. Die Anordnung verweist auf Risiken, die von ausländischen Gegnern und strategischen Konkurrenten für die Biotech-Lieferkette ausgehen. US-Parlamentarier äußern seit langem Bedenken, was die Abhängigkeit der USA bei Arzneimitteln und medizinischen Produkten von der Volksrepublik angeht. Die Corona-Pandemie hat ihre Sorgen noch verstärkt.

China ist ein wichtiger Hersteller von pharmazeutischen Wirkstoffen. Eine leicht zugängliche Datenbank, in der sich nachverfolgen ließe, wie viele dieser Wirkstoffe letztlich aus dem Reich der Mitte stammen, gibt es nicht. Und komplizierte Lieferketten verschleiern oft das ganze Bild: So ist China etwa wichtig als Lieferant von Wirkstoffen für Indien. Das wiederum ist wichtiger Lieferant von Generika - auch, aber nicht nur für die USA. Um Kosten zu sparen, lagern Pharmafirmen zunehmend auch Forschung und Entwicklung aus - insbesondere die kostspielige und unsichere Arzneimittelforschung sowie präklinische Versuche.

Auch Biotech-Start-ups verlassen sich dabei auf die Dienste chinesischer Anbieter, um ihr Investitionsbudget zu schonen. Wuxi Biologics ist dabei einer der Nutznießer: Von 2018 bis 2021 hat sich der Umsatz dort vervierfacht, teils begünstigt durch die Pandemie. Rund die Hälfte der Einnahmen von Wuxi Biologics stammte letztes Jahr aus Nordamerika.

Die unmittelbaren Folgen der neuen Verordnung auf chinesische Biotech-Firmen dürften minimal sein. Verlagerungen in der Lieferkette, und seien es nur kleine Teile, würden in der Umsetzung Jahre dauern, selbst wenn alles gut ginge. Als Nebenfolge würden die Kosten der US-Pharmaunternehmen steigen, was wiederum die Entwicklung neuer Medikamente behindern könnte.

Der aktuelle Kursverfall bei chinesischen Biotechs - noch bevor offiziell Sanktionen oder deren Details genannt wurden - spiegelt die Sorge wider, dass etwas Bedrohlicheres bevorstehen könnte. Chinas Biotech-Sektor könnte zum neuen Schlachtfeld der beiden Supermächte werden, ähnlich wie das bei der Halbleiterbranche geschehen ist.

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