Euro Intern

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DSGV: Über zwei Drittel der Deutschen sehen steigende Inflation kritisch

Erscheinungsdatum Website: 29.10.2021 17:35:03
Erscheinungsdatum Publikation: 01.11.2021

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BERLIN (Dow Jones)--Die steigende Inflation ist die größte Sorge der Menschen in Deutschland bei der Vermögensbildung. Das hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in einer repräsentativen Umfrage zum Weltspartag ermittelt, deren Ergebnisse der Verband in seinem Vermögensbarometer 2021 veröffentlichte. 63 Prozent der Befragten sahen demnach bereits im Sommer die Inflationsentwicklung kritisch. Mit den zuletzt stark steigenden Preisen sei diese Zahl nochmals deutlich gestiegen. Inzwischen sähen 73 Prozent der Menschen die Inflationsentwicklung kritisch.

"Aus meiner Sicht ist diese Entwicklung der steigenden Inflation gefährlich. Sie sollte nicht als vorübergehender Effekt nach der Corona-Krise verharmlost werden", sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis. Der EZB-Rat müsse im Dezember die Weichen für einen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik stellen. "Schritt eins sollte das Auslaufen der pandemiebedingten Sonderprogramme sein. Parallel dazu halten wir als Schritt zwei eine deutliche Erhöhung der Freibeträge bei den Einlagenfazilitäten für erforderlich." Nur so könne vermieden werden, dass die Einlagenschwemme zu einem dauerhaften Substanzverlust der Kreditinstitute führe.

"Und der dritte und ganz wichtige Schritt muss dann eine Überwindung der negativen Leitzinsen sein", sagte Schleweis. "Die EZB sollte in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres hierfür Perspektiven eröffnen." Auch die Wirtschaftspolitik sei gefragt. Die Erfahrungen in der Corona- Pandemie, beim Unfall im Suez-Kanal und die jetzigen Lieferengpässe zeigten es. Europa müsse bei Schlüsseltechnologien und wichtigen Zulieferprodukten seine Abhängigkeit von globalen Zulieferern dringend verringern. Schleweis betonte, das sei "sicher eine Kernaufgabe einer neuen Regierungskoalition".

Laut der Studie bleibt die Konsumlaune der Deutschen zudem trotz zurückgehender Corona-Einschränkungen gebremst. Danach haben 42 Prozent ihr Konsumverhalten in den vergangenen 12 Monaten eingeschränkt. 65 Prozent geben an, auch in Zukunft weniger Geld ausgeben zu wollen. "Das ist aus zwei Gründen ein erstaunliches Ergebnis", konstatierte der DSGV-Präsident. Zum einen wäre zum Ende der Krise hin zu erwarten, dass die Menschen das Leben wieder feiern und entgangenen Konsum nachholen. Zum anderen schätzten 43 Prozent der Menschen ihre gegenwärtige finanzielle Situation als "gut" oder sogar "sehr gut" ein. "Sie hätten also die Möglichkeiten zu konsumieren."

Stattdessen blieben die Menschen vorsichtig - für das laufende Jahr erwarteten die Sparkassen eine Sparquote von rund 15 Prozent. Gründe seien tiefgreifende Verunsicherungen und Sorgen um die Zukunft. "Der Klimawandel einerseits und die Sorge um gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie spürbare Preisanstiege spielen hier eine entscheidende Rolle." Beim Vermögensaufbau halten die Menschen laut der Umfrage Aktien und Investmentfonds für die geeignetsten Möglichkeiten. Die selbstgenutzte Immobilie liege dagegen auf Platz fünf. Für viele Normalverdiener sei Wohneigentum heute kaum mehr bezahlbar, so Schleweis. "Das ist für ein Land wie Deutschland ein fatales Signal."

DJG/ank/apo/01.11.2021

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