Märkte der Welt

Der Newsletter "Märkte der Welt" enthält - nach Regionen gegliedert - wöchentliche Zusammenfassungen und Hintergrundanalysen der wichtigsten Nachrichten zur Außenwirtschaft sowie Informationen zu Auslandsaktivitäten deutscher Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Zudem sind weiterführende Kontaktadressen mit Ansprechpartnern angegeben. Die Berichterstattung wird durch das weltweite Netz der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) unterstützt und ist mit Grafiken und Charts angereichert.

Insolvenzen steigen 2022 um 15% an - von sehr niedrigem Niveau

Erscheinungsdatum Website: 06.10.2021 14:20:02
Erscheinungsdatum Publikation: 07.10.2021

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Viel hängt vom Handeln der Regierungen ab

HAMBURG (NfA)--Es zeichnet sich bei den globalen Insolvenzen weiterhin ein Wechsel aus Licht und Schatten ab: 2022 dürften die weltweiten Insolvenzen langsam wieder ansteigen - allerdings aufgrund der umfangreichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen weiterhin von sehr niedrigem Niveau kommend. Trotz eines erwarteten Anstiegs von rund 15% dürften die globalen Fallzahlen im Durchschnitt voraussichtlich weiterhin 4% niedriger liegen als 2019 - vor der Pandemie, Dennoch kehren insbesondere Exportrisiken stärker zurück als bisher, so die jüngste Insolvenzstudie des Kreditversicherers Euler Hermes.

2020 lag der Rückgang bei den weltweiten Pleiten bei 12% und auch im laufenden Jahr zeichnet sich ein weiterer Rückgang um rund 6% ab. ?Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben ihr Ziel erreicht, möglichst viele Insolvenzen zu verhindern?, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Branchen- und Insolvenzanalyse bei der Euler Hermes Gruppe. ?In Westeuropa haben die Maßnahmen jede zweite Pleite verhindert, in den USA jede Dritte. Für 2021 zeichnet sich keine Trendwende ab: Die Verlängerung zahlreicher Programme wird die Insolvenzen im Jahr 2021 auf einem weiterhin niedrigen Niveau halten. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wie die Regierungen in den kommenden Monaten handeln. Erst ab 2022 dürfte sich das weltweite Insolvenzgeschehen wieder sukzessive normalisieren.?

Deutschland steht im weltweiten Vergleich weiterhin sehr gut da: 2021 kündigt sich zunächst ein weiterer Rückgang von 5% bei den Insolvenzen auf rund 15.000 Fälle an: Ähnliche Fallzahlen gab es zuletzt in den Jahren 1992 (10.920) und 1993 (15.582). Vor der Pandemie waren es 2019 noch 18.749 Fälle; 2020 sind diese dann im Zuge der staatlichen Hilfsprogramme um 16% auf 15.840 Fälle gesunken.

?Eine Entwarnung für deutsche Unternehmen ist das allerdings nicht?, sagt Lemerle. ?Zwar waren die Fallzahlen rückläufig - die erwarteten durchschnittlichen Schäden pro Insolvenz für die betroffenen Unternehmen haben sich im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt.? Im ersten Halbjahr 2020 lagen die erwarteten Schäden pro Insolvenz durchschnittlich noch bei 1,8 Mio Euro. Im gleichen Zeitraum im laufenden Jahr, lagen diese bei 4,3 Mio Euro.

?2022 dürften zudem auch in Deutschland die Pleiten wieder um rund 9% auf etwa 16.300 Fälle zunehmen?, sagt Lemerle. ?Diese Entwicklung dürfte sich vor allem im zweiten Halbjahr zeigen. Es ist weiterhin ein sehr niedriges Niveau der Fallzahlen und entspricht in etwa dem Stand im Jahr 1993. Die relativ gute Ausgangslage, eines der größten staatlichen Unterstützungsprogramme und die wieder anziehende Weltwirtschaft haben deutschen Unternehmen eine gute Startposition verschafft, um sich auf die neue Normalität einzustellen. Dennoch sollten sie Risiken im In- und Ausland nicht unterschätzen.?

Die Entwicklung ist global sehr unterschiedlich. Während in den meisten Ländern 2021 die Zahl der Pleiten weiter zum Teil deutlich rückläufig sein dürften, gibt es auch einige Ländern, bei denen die Fallzahlen bereits 2021 gegen den globalen Trend steigen dürften. Dabei gibt auch die unterjährige Entwicklung Aufschluss über mögliche regionale Hot-Spots.

So steigen die Insolvenzen in Westeuropa 2021 voraussichtlich in Italien (plus 47%) Spanien (30), Großbritannien (10), Luxemburg und der Schweiz (je 4) sowie in Belgien (3). In Osteuropa verzeichnen insbesondere Polen (62), Ungarn (20), Rumänien (8) und Bulgarien (5) steigende Fallzahlen ebenso wie in Asien Hongkong (24), Indien (13) und Taiwan (10). In Afrika dürfte Marokko (48) einen starken Anstieg sehen, und in Südamerika sind Kolumbien (12) und Brasilien (6) besonders betroffen.

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