Nachrichten für Außenhandel (NfA)

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"Nachrichten für Außenhandel (NfA)" – die einzige deutschsprachige Tageszeitung für die gesamte Außenwirtschaft bietet einen schnellen und strukturierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Wachstumsmärkten.

Die NfA liefert hochwertige und praxisrelevante Hintergrundinformationen, ausführliche Analysen und Bewertungen -  deutlich umfassender als in der Wirtschaftstagespresse. Im Fokus stehen die deutschen Exportbranchen mit Schwerpunkt auf Investitionsgütern

Welt: Online-Mode ist ein schwaches Mittel

Erscheinungsdatum Website: 20.03.2020 15:20:04
Erscheinungsdatum Publikation: 23.03.2020

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Grundbedarfsgüter haben derzeit Priorität / Von Carol Ryan

NEW YORK (Dow Jones)--Der weltweite Ausbruch von Covid-19 zwingt Modeketten dazu, ihre Läden zu schließen. Trotzdem gibt es nur wenige Anzeichen dafür, dass Kunden in Gänze auf die virtuellen Filialen im Internet ausweichen werden.

Inditex, der weltweit größte Bekleidungshändler und Inhaber der Marke Zara, gab bekannt, dass der Umsatz von Anfang Februar bis Mitte März gegenüber dem gleichen Zeitraum 2019 um 5% zurückgegangen sei. In den ersten beiden Märzwochen hat der Umsatz bei einem Rückgang von fast einem Viertel am stärksten gelitten.

Der Einzelhändler hat inzwischen 51% seiner weltweit rund 7.500 Filialen geschlossen. Das schwedische Textilhandelsunternehmen H&M hat ebenfalls vorübergehend Geschäfte dicht gemacht. Zunächst betroffen waren Läden in den USA, in Italien, Spanien und Frankreich.

Anleger fragen sich nun, ob die Websites der Bekleidungsmarken wenigstens einen Teil der Umsatzverluste im stationären Handel ausgleichen können. Der Vorsitzende und CEO von Inditex, Pablo Isla, konnte jedoch nicht bestätigen, dass sein Unternehmen eine Belebung des Online-Geschäfts in China verzeichnete, als die Geschäfte dort Anfang des Jahres geschlossen wurden.

Aktuelle Daten zu App-Downloads, die einen Einblick in die Reaktion der Verbraucher auf die Corona-Krise geben, sind nicht vielversprechend. In Italien, dem europäischen Land, das am längsten vollständig abgeriegelt ist, gingen die Downloads der mobilen App von Zara in der Woche nach dem 9. März um 23% gegenüber der vorherigen Woche zurück. Das zeigen Daten des Analysedienstes Sensor Tower. Die wöchentlichen Downloads für H&M brachen im gleichen Zeitraum sogar um 46% ein.

Der gleiche Trend ist in den USA zu beobachten, wo die Downloads von Zara- und H&M-Apps jeweils um 14% zurückgingen. Dafür strömen die Verbraucher jetzt zu den Online-Angeboten der Lebensmittelhändler. Die App-Downloads von Walmart Grocery und Kroger Fresh stiegen in der zweiten Märzwoche im Vergleich zur ersten um 112% beziehungsweise 38%.

Optimisten mögen daraus schließen, dass sich die Verbraucher zuerst mit den Grundbedarfsgütern eindecken und danach auch wieder die schönen Dinge entdecken. Eine realistischere Erklärung könnte jedoch sein, dass Menschen in Erwartung eines wirtschaftlichen Abschwungs und zunehmender Arbeitslosigkeit zurückhaltender agieren.

Obwohl die Aktie von Inditex in jüngster Zeit ein Drittel ihres Wertes verloren hat, ist das Unternehmen besser gerüstet als die meisten seiner Konkurrenten, um eine Pandemie zu überstehen. Inditex entwickelte sich 2019 sehr gut und beendete das Geschäftsjahr mit einem Netto-Barvermögen von 8,1 Mrd Euro in der Bilanz. Im Jahr zuvor waren es noch 6,7 Mrd. Die starke Nachfrage bis zum Ausbruch der Corona-Krise lässt hoffen, dass Zara nach der Wiedereröffnung seiner Geschäfte schnell wieder Boden gutmachen kann. Im Gegensatz zu H&M hat das Unternehmen den aufwendigen und teuren Prozess des Zusammenfügens seines Online- und stationären Geschäfts weitgehend abgeschlossen, sodass der Bedarf an technischen Investitionen geringer ist.

Fest steht: Die Pandemie wird zu einer Wirtschafts- und zu einer Gesundheitskrise führen. Modehändler haben vielleicht gar keine andere Wahl, als für eine Weile in Deckung zu gehen.

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