Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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Deutsches BIP sinkt im 2. Quartal um 0,1%

Erscheinungsdatum Website: 09.08.2019 16:10:02
Erscheinungsdatum Publikation: 12.08.2019

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FRANKFURT (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal 2019 leicht geschrumpft sein. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten, dass das preis- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,1% gesunken ist, nachdem es im ersten Quartal noch um 0,4% gestiegen war. Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht die Daten am Mittwoch (8.00 Uhr), bevor Eurostat (um 11.00 Uhr) mit der zweiten BIP-Schätzung für den Euroraum kommt. Daneben kommen in der Woche US-Konjunkturdaten für Juli, ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Zinsentscheidung der norwegischen Zentralbank.

Die Entwicklung der deutschen Wirtschaftsleistung von plus 0,4% im ersten auf minus 0,1% im zweiten Jahresviertel stellt keine so abrupte konjunkturelle Vollbremsung dar, wie die Zahlen das nahelegen. Vielmehr war das Ergebnis des ersten Quartals eine positive Überraschung, die sich zu einem großen Teil mit der Saisonbereinigung erklären lässt. Die Bauindustrie konnte den Winter ungestört durcharbeiten, weil es meteorologisch gesehen kaum einen Winter gab. Bei der Saisonbereinigung der Daten wird aber eine winterliche Bremsung unterstellt. Läuft die Produktion normal durch, wird das als ein beschleunigter Anstieg bewertet.

Saisonbereinigte Umkehr bei den Bauinvestitionen

Demgemäß stiegen Bauinvestitionen im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um satte 1,9%, nachdem die Quartalsraten in den Quartalen davor bei rund plus 1% gelegen hatten. Für das zweite Quartal unterstellt die Saisonbereinigung mit dem Ende des Winters nun eine Belebung der Aktivität am Bau. Bleibt diese aus, wird das als Rückgang eingestuft. Entsprechend meldete Destatis einen saisonbereinigten Produktionsrückgang von 1,1%.

Die Investitionen dürften ebenfalls keinen Beitrag zum Quartalswachstum geliefert haben. Die Auftragseingänge deutscher Unternehmen für Investitionsgüter aus dem Inland sanken um 5,1%, nachdem sie im ersten Quartal um 2,6% nachgegeben hatten. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 0,1 (plus 1,8)%.

Lagerveränderungen haben Wachstum schon zwei Mal gebremst

Der Außenhandel dürfte das Wachstum gebremst haben, nachdem er im ersten Quartal noch einen Wachstumsbeitrag von 0,2 Punkten geliefert hatte. Das steht nach dem Exportrückgang im Juni fest. Gespannt darf man auf den Beitrag des Postens "Vorratsveränderungen und Ähnliches" sein, der in den beiden Vorquartalen mit negativen Beiträgen von je 0,6%punkten zu Buche geschlagen hatte.

Eine vorläufige und interne Schätzung des deutschen BIP war in der ersten BIP-Veröffentlichung von Eurostat für den Euroraum enthalten, die insgesamt 93% der Wirtschaftsleistung abbildete. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft kam auf dieser Basis zu dem Ergebnis, dass das deutsche BIP im zweiten Quartal stagniert haben müsste. Volkswirte erwarten eine Bestätigung der ersten Schätzung für die Eurozone von plus 0,2%.

Über die Konjunkturerwartungen von Investoren für Europa informiert am Dienstag (11.00 Uhr) das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Volkswirte erwarten einen Rückgang auf minus 30,0 (minus 24,5) Punkte - Der Dax, der gut mit dem ZEW-Index korreliert ist, ist seit der vorigen Veröffentlichung um knapp 6% gesunken.

Erste US-Konjunkturdaten für das dritte Quartal

Ebenfalls am Dienstag veröffentlicht das US-Arbeitsministerium Verbraucherpreisdaten für Juli. Im Juni war die Jahresteuerungsrate auf 1,6 (1,8)% gefallen. Die Kernteuerungsrate stieg dagegen auf 2,1 (2,0)%. Die US-Notenbank hat ihre Geldpolitik gerade gelockert, sieht sich aber unverändert einem hohen Druck von Seiten des US-Präsidenten ausgesetzt, ihre Zinsen schneller und stärker zu senken. Ausschläge der Inflation in die eine oder andere Richtung dürften die Markterwartungen hinsichtlich des weiteren Fed-Kurses beeinflussen.

Zudem kommen in der Woche Daten zu der Entwicklung der Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion (Donnerstag 14.30 beziehungsweise 15.15 Uhr) im Juli. Die Industrieproduktion ist mit ziemlicher Sicherheit gesunken, weil nach Informationen des Arbeitsministeriums die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden zurückgegangen ist. Am Mittwoch (14.30 Uhr) kommen die US-Erzeugerpreise für Juli.

Bei der Norges Bank (Donnerstag, 10.00 Uhr) steht vor allem die Prognose für den künftigen Zinskurs im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Zentralbank hatte ihren Leitzins im Juni erhöht und für den Herbst eine weitere Anhebung in Aussicht gestellt. Diese Prognose könnte sich angesichts der schwächeren Weltwirtschaft und der rund um die Welt ablaufenden geldpolitischen Lockerung ändern.

DJG/hab/smh

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