Nachrichten für Außenhandel (NfA)

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"Nachrichten für Außenhandel (NfA)" – die einzige deutschsprachige Tageszeitung für die gesamte Außenwirtschaft bietet einen schnellen und strukturierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Wachstumsmärkten.

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China: Der Nebel lichtet sich - und die Probleme werden sichtbar

Erscheinungsdatum Website: 31.05.2019 14:50:14
Erscheinungsdatum Publikation: 03.06.2019

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Unsicherheit durch den Handelskonflikt / Von Nathaniel Taplin

BEIJING (Dow Jones)--Zum ersten Mal in diesem Jahr ist deutlich geworden, wo die Wirtschaft Chinas steht. Und das sich abzeichnende Bild ist alles andere als schön. Die Konjunkturdaten von Januar bis April waren verzerrt wie ein Spiegellabyrinth, weil das Neujahresfest jährlich auf einen anderen Termin beziehungsweise Monat fällt. Zudem hat Beijing den Mehrwertsteuersatz für die Industrie zur Belebung der Konjunktur gesenkt, was die Aktivität in der Branche angeschoben hat. Dies untermauerte die Argumentation der Optimisten, dass die Dinge letztlich nicht so schlimm stehen wie es aussehen mag.

Der Monat Mai ist nun der erste Zeitraum seit Dezember, der zu einer tatsächlichen Lagebeurteilung taugt. Und gerade deshalb ist der unerwartet schlechtere Einkaufsmanagerindex für den verarbeitenden Sektor so beunruhigend. Diese Stimmungsumfrage ist ein Regel ein guter Indikator dafür, in welche Richtung die später veröffentlichten Wirtschaftsdaten tendieren. Der Index der China Federation of Logistics and Purchasing fiel unter die wichtige "Expansionsschwelle" von 50 Punkten. Mit den berichteten 49,4 Punkten wird eine rückläufige Dynamik angezeigt, und damit liegt der Index auf den Stand vom Dezember. Bei dem Subindex für neue Exportorders - ein Indikator für die Auslandsnachfrage - verschärfte sich der Abwärtstrend, und er fiel deutlich auf 46,5 von 49,2 im April.

Aber am meisten dürfte Beijing beunruhigen, dass der Teilindex für die Beschäftigung auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken ist. Zudem war das Bild zur Inlandsnachfrage auch nicht besser: Sowohl die Produktion als auch der Auftragseingang schwächten sich ab. Das deutet darauf hin, dass die Fabriken Chinas immer noch heiß laufen, was zu einem Abwärtsdruck auf die Preise und die bevorstehenden Aktivitäten führen könnte.

Aber lässt man die Datenverzerrungen mal beiseite, ist die Hintergrundkulisse noch schwerer zu beurteilen. Die Handelsspannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China haben sich verschärft. Und die unerwartete Übernahme einer kleinen Bank durch die Regulierungsbehörden in der vergangenen Woche hat den Geldmarkt erschreckt und die Finanzierungsbedingungen verschärft. Beijing wird wahrscheinlich mit einer verstärkten fiskalischen und monetären Unterstützung auf die Lage reagieren. Stagnierende Preise im Schwerindustriebereich könnten der verschuldeten Metall-, Zement- und Chemiebranche ein Bein stellen, wenn sich die Inflation weiter verlangsamt. Trotz einem recht gut funktionierenden Immobiliensektor deuten die schwächeren Auftragseingänge und die nachlassende Erholung der Stahlpreise darauf hin, dass mehr Hilfe benötigt wird.

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