Finanz- und Wirtschaftsspiegel

Der Newsletter "Finanz- und Wirtschaftsspiegel" informiert täglich über die Aktivitäten der internationalen Zentralbanken mit Schwerpunkt auf die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve und die Bank of Japan.

Die Woche der Zentralbanken

Erscheinungsdatum Website: 15.03.2019 15:45:37
Erscheinungsdatum Publikation: 18.03.2019

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FRANKFURT (Dow Jones)--Rund um die Welt werden sich in der nächsten Woche Zentralbanken mit dem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld beschäftigen. Im Mittelpunkt des Interesses steht wegen der weltweiten Ausstrahlung ihrer Geldpolitik sicherlich die US-Notenbank. Zinsentscheidungen treffen aber auch die Bank of England und die Schweizerische Nationalbank. Interessante Konjunkturdaten sind die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und das Verbrauchervertrauen in der Eurozone.

Die US-Notenbank dürfte ihre Geldpolitik nicht ändern, wenn sich der Offenmarktausschuss (FOMC) am Dienstag und Mittwoch zu Beratungen trifft. Die geldpolitischen Entscheidungen werden am Mittwoch um 19.00 Uhr (MEZ) veröffentlicht, zusammen mit den Wachstums-, Inflations- und Zinsprognosen der FOMC-Mitglieder. In seinem am 30. Januar veröffentlichten Statement hatte der FOMC geschrieben, dass er bei weiteren "Zinsanpassungen" geduldig vorgehen werde.

FOMC-Makro- und Zinsprognosen im Mittelpunkt des Interesses

Darüber hinaus hatte das Gremium in einem gesonderten Statement erklärt, dass es den Zielbereich der Fed Funds Rate (derzeit 2,25 bis 2,50 Prozent) als sein wichtigstes geldpolitisches Instrument betrachtet, dass es aber bei der "Normalisierung" der Fed-Bilanz ökonomische und finanzielle Entwicklungen beachten wird. Laut FOMC handelte es sich dabei um eine außerordentliche Erklärung, etwas Ähnliches ist für Mittwoch also nicht zu erwarten.

Analysten werden also auf die Aussagen des Statements, mögliche Änderungen der Zins- und Makroprognosen und natürlich auf die Aussagen von Fed-Chairman Jerome Powell achten, dessen Pressekonferenz um 19.30 Uhr (MEZ) beginnt. Zuletzt hatte es einige unerwartet schwache Konjunkturdaten gegeben, zum Beispiel die Einzelhandelsumsätze und die Beschäftigtenzahl. Allerdings könnten dabei Sonderfaktoren wie die Witterung und die verzögerte Datenübermittlung wegen der Schließung von Bundesbehörden eine Rolle gespielt haben.

Gleichwohl wird an den Finanzmärkten bereits darüber spekuliert, dass die Fed in diesem Jahr nicht nur von weiteren Zinserhöhungen absieht, sondern sogar ihre Zinsen senkt. Fed-Funds-Futures preisen eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bis Jahresende zu 20 Prozent ein.

Bank of England weiter im Brexit-Wartestand

Das weiter ungelöste Brexit-Dilemma verdammt die Bank of England (BoE) zur Untätigkeit. Es gilt daher als sicher, dass der Leitzins bei 0,75 Prozent bleiben wird. Auch andere geldpolitische Änderungen sind wenig wahrscheinlich, obwohl die Brexit-Wirren der Wirtschaft schaden. Für die Investitionstätigkeit, die seit dem Referendum im Jahr 2016 schon deutlich gelitten hat, ist entscheidend, welche Handelsbeziehungen das Vereinigte Königreich mit der EU in Zukunft haben wird.

Klarheit darüber wird es aber erst in vielen Monaten, wenn nicht sogar Jahren geben. Deshalb sind die Wachstumsaussichten für die britische Wirtschaft nicht gerade rosig. Die BoE veröffentlicht die geldpolitischen Entscheidungen inklusive jener zur Zielgröße ihres Wertpapierportfolios und das Sitzungsprotokoll um 13.00 Uhr (MEZ).

SNB lässt Zinsen und Franken-Rhetorik unverändert

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte ihre Geldpolitik unverändert lassen. Das bedeutet, dass das Zielband für den Franken-Libor bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent bleiben wird und der Satz für Bankeinlagen bei minus 0,75 Prozent. Darüber hinaus dürfte die SNB den Franken als "hoch bewertet" bezeichnen und weitere Devisenmarktinterventionen in Aussicht stellen.

Ändern dürften sich dagegen die Wachstumserwartungen. Da auch das Wachstum in der Schweiz im vierten Quartal enttäuschte, wodurch der statistische Überhang niedriger als bisher angenommen ist, dürfte die SNB ihre Wachstumsprognose für 2019 senken. Da die SNB ihre Geldpolitik vor allem am Wechselkurs gegenüber dem Euro ausrichtet, dürfte sie ihre Geldpolitik kaum vor der Europäischen Zentralbank ändern. Der Zentralbankrat veröffentlicht sein Statement am Donnerstag (9.30 Uhr).

Außerdem steht am Donnerstag (10.00 Uhr) die Zinsentscheidung der Norges Bank an. Angesichts von Konjunkturdaten, die auf ein Wachstum hindeuten, das über den Prognosen der Zentralbank liegt, wollen Ökonomen eine Zinsanhebung bereits in der nächsten Woche nicht ausschließen.

Banken können erneut TLTRO2-Mittel zurückzahlen

Die Banken haben in der nächsten Woche erneut die Möglichkeit, Mittel aus der zweiten Serie langfristiger, gezielter Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO2) vorzeitig zurückzugeben. Diese Möglichkeit umfasst erstmals auch Kredite, die im Rahmen des letzten der vier TLTRO2 aufgenommen wurden. Es ist aber nicht zu erwarten, dass die Banken nennenswerte Beträge zurückzahlen werden, so wie sie das auch bei den drei vorangegangenen Terminen nicht getan haben.

Der Grund ist, dass es für die Banken schlicht keinen Anlass dazu gibt. Liquidität zu günstigeren oder auch nur gleichen Konditionen ist nicht in Sicht, auch im Rahmen der angekündigten TLTRO3 nicht, die zudem erst im Herbst kommen. Bis Juni helfen Mittel, die die Institute im Rahmen des ersten TLTRO2 aufgenommen haben, noch bei der Erfüllung der langfristigen Liquiditätskennziffer NSFR.

Einkaufsmanagerindizes gegenläufig, ZEW-Konjunkturerwartungen steigen leicht

Die Dynamik im verarbeitenden und nicht-verarbeitenden Gewerbe des Euroraums dürfte im März unterschiedlich gewesen sein. Volkswirte erwarten, dass der Einkaufsmanagerindex (PMI) des verarbeitenden Gewerbes leicht gestiegen, aber unter der Marke von 50 Punkten geblieben ist. Für den Dienstleistungs-PMI wird dagegen ein Rückgang erwartet, allerdings soll dieser Index weiter oberhalb von 50 Punkten bleiben. Gleiches wird für die deutschen PMIs erwartet.

IHS Markit veröffentlicht die Euroraum-PMIs am Freitag um 10.00 Uhr, um 9.30 Uhr kommen die deutschen PMIs, um 9.15 Uhr die französischen.

Die von Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobenen Konjunkturerwartungen für Deutschland dürften im März gestiegen sein - es wäre der fünfte Anstieg in Folge. Für die Plausibilität dieser Erwartung sprechen sowohl ein Anstieg des Sentix-Konjunkturindex im März als auch die Tatsache, dass der DAX seit der vorherigen ZEW-Veröffentlichung um über 3 Prozent zugelegt hat. Das ZEW veröffentlicht die Daten am Dienstag (11.00 Uhr).

Auch der von der EU-Kommission erhobene Index des Eurozone-Verbrauchervertrauens dürfte im März gestiegen sein. Die Veröffentlichung ist am Donnerstag (16.00 Uhr).

DJG/hab/apo

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