Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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Neue Tranzparenzpflichten könnten Familienunternehmen schaden

Erscheinungsdatum Website: 13.03.2019 16:35:28
Erscheinungsdatum Publikation: 14.03.2019

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BERLIN (Dow Jones)--Unternehmen werden nach einer neuen Studie durch die jüngst von Europäischen Union (EU) erlassenen Offenlegungspflichten in ihren Datenschutzrechten verletzt. Der Wissenschaftliche Beirat der Stiftung Familienunternehmen warnte in seinem Jahresheft "Aspekte der Unternehmenstransparenz" vor den negativen Folgen ausufernder Auflagen. Das Gremium forderte eine angemessene Transparenz, die europäische Unternehmen nicht im Wettbewerb benachteiligten.

Die Offenlegungsvorschriften könnten vor allem für Familienunternehmen, die fast 60 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland stellen, mit Nachteilen verbunden sein, hieß es in der Studie. "Mit immer weitreichenderen Offenlegungspflichten gefährdet der Staat die Persönlichkeitsrechte und die Sicherheit von Unternehmern und schwächt Unternehmen im Wettbewerb", sagte der Beirat.

Als Beispiel nannte das Gremium das Online-Transparenzregister, in das sich unter anderem Gesellschafter von Familienunternehmen eintragen lassen müssen und das ab 2020 für jedermann einsehbar sein soll. Kritisch sieht der Beirat auch das von der Europäischen Kommission diskutierte öffentliche Country-by-Country Reporting, das Unternehmen mit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz verpflichtet, unter anderem sensible Gewinn- und Steuerdaten für jedermann zugänglich zu machen.

"Wenn Familienunternehmen im Internet Land für Land detaillierte Auskunft über ihre Profitabilität und Finanzsituation geben müssen, werden ihre Wettbewerber in die Lage versetzt, Geschäftsmodelle zu kopieren", warnt Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats. Zudem würden Familienunternehmen gegenüber Großkunden in eine schwierigere Lage versetzt, da die Klienten um deren finanzielle Lage wüßten und diese so im Wettbewerb geschwächt würden.

Der Präsident des Münchener Ifo-Institut, Clemens Fuest, warnte, dass eine Veröffentlichung personenbezogener Daten zu Einkommen und Steuerzahlungen in der Regel kaum zu einer sachgerechten Diskussion der Steuergesetze führten. "Es wird in Kauf genommen, dass Geschäftsgeheimnisse offengelegt werden sowie Sicherheits- und Reputationsrisiken für die Betroffenen entstehen. Durch die neuen digitalen Möglichkeiten, Daten verfügbar zu machen und zu kombinieren, steigt diese Gefahr", kritisierte er.

DJG/aat/mgo

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