Nachrichten für Außenhandel (NfA)

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"Nachrichten für Außenhandel (NfA)" – die einzige deutschsprachige Tageszeitung für die gesamte Außenwirtschaft bietet einen schnellen und strukturierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Wachstumsmärkten.

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China: Wie die Exportdaten trügen können

Erscheinungsdatum Website: 08.03.2019 15:50:11
Erscheinungsdatum Publikation: 11.03.2019

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Eine Analyse von Nathaniel Taplin

BEIJING (Dow Jones)--Der Februar ist für Chinas Wirtschaft so etwas wie ein schlecht geführter Bauernhof: Hunde, Schweine und sogar Drachen laufen querbeet über Datensammlungen. Der erschreckend anmutende Einbruch der Exporte um 20,7% im Februar ist ein Beispiel dafür. Westliche Länder orientieren sich am gregorianischen Kalender, die wichtigsten Feiertage in China werden aber vom Mondkalender bestimmt. Das wochenlange Neujahrsfest macht es deshalb schwierig, Daten aus dem Januar, Februar und manchmal auch März mit den Vorjahreswerten zu vergleichen.

2018 war das Jahr des Hundes. Da fiel der Feiertag auf den 16. Februar, den zweitspätesten Termin der vergangenen zehn Jahre. Die damit verbundene Unordnung der Handelsdaten betraf damals vor allem den März. Im Februar stiegen die Exporte um 44,5%, während sie im März um 2,7% nachgaben. Dieses Jahr lag der Feiertag am 5. Februar, was eher die Daten für Januar und Februar beeinträchtigte. Der riesige Basiseffekt erklärt, warum der drastische Einbruch diesen Februar nicht gleich zu einer Magenverstimmung führen muss.

Das heißt aber nicht, dass die Exporte Chinas nicht schwächeln. Das Ausmaß des Rückgangs täuscht aber. Die kombinierten Daten für Januar und Februar zeigen ein ausgewogeneres Bild: In den beiden Monaten fielen die Exporte um 4,6%. Das ist vergleichbar zum Dezember, als sie 4,4% nachgaben.

Ein Faktor liegt in Europa: Dort lässt das Wachstum nach. Die Exporte in diese Region stiegen im Januar und Februar nur noch um 7,5% und nicht mehr mit zweistelligen Raten wie Mitte des Vorjahres. Doch auch der Handelskonflikt mit den USA fordert seinen Tribut von China. Die Exporte in die Vereinigten Staaten fielen um 9,9%. Nach Südostasien gingen dagegen 7% mehr Waren. Analysten von ANZ vermuten, dass sich hier schon Auswirkungen des Handelsstreits zeigen, indem Warenflüsse umgeleitet werden, um Strafzölle zu vermeiden.

Die Aktienbörsen in China waren nach den schlechten Nachrichten aus Europa schon schwach gestartet und gaben nach den Exportdaten weiter nach. Das Gesamtbild zeigt, wie sehr China unter dem zunehmenden Druck der USA im Handelsstreit leidet. Es ist aber nicht der Kollaps, den die Februar-Handelsdaten vermuten lassen.

Bevor es wieder aufwärts geht, droht aber wohl zunächst noch eine Verschlechterung. Der Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe zeigt einen Abwärtstrend bei den Ausfuhren. Im vergangenen Jahr hatten sich die Exporte Chinas dagegen noch als widerstandsfähig erwiesen. Die schlechteren Zeiten kommen also erst noch...

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