Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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Deutsches BIP steigt im 4. Quartal um 0,1 Prozent

Erscheinungsdatum Website: 08.02.2019 16:35:24
Erscheinungsdatum Publikation: 11.02.2019

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FRANKFURT (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaft dürfte im vierten Quartal 2018 um den zweiten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Folge herum gekommen sein. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten, dass das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent gestiegen ist, nachdem es im dritten Quartal um 0,2 Prozent gesunken war. Das wäre das schwächste Wachstum seit dem ersten Quartal 2015. Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht die Daten am Donnerstag (8.00 Uhr). Ansonsten stehen in der Woche US-Inflationsdaten im Mittelpunkt des Interesses.

Folgendes ist über die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal schon bekannt: Die Produktion in Industrie-, Bau- und Energiewirtschaft ist gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent gesunken. Sowohl im November als auch im Dezember hat die Produktion enttäuscht. Der unerwartete Rückgang im Dezember (minus 0,4 Prozent anstatt der erwarteten plus 0,8 Prozent) könnte nach Meinung von Volkswirten auf Problemen mit der Saisonbereinigung beruhen und revidiert werden. Die Frage ist, ob das noch vor der BIP-Veröffentlichung intern geschieht.

Konsum von sehr schwachem Einzelhandelsumsatz im Dezember nach unten verzerrt

Ähnlich sieht es beim privaten Konsum aus. Volkswirte erwarten wegen der günstigen Rahmenbedingungen einen ordentlichen Wachstumsbeitrag zum BIP. Aber auf Basis der aktuell vorliegenden Daten sind die Einzelhandelsumsätze, der größte Posten des privaten Verbrauchs, im vierten Quartal nur um knapp 0,2 Prozent gestiegen. Das liegt an einem unerwarteten Umsatzrückgang von 4,3 Prozent im Dezember.

Die Statistiker selbst wiesen darauf hin, dass die tatsächliche Umsatzveränderung im Dezember in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt um 2,5 Prozentpunkte höher lag als in erster Veröffentlichung geschätzt. Die Umsätze im Internet- und Versandhandel legten im vierten Quartal um 2,6 Prozent zu.

Außenbeitrag dürfte nach Exportanstieg im Dezember positiv gewesen sein

Nach dem Anstieg der Exporte um 1,5 Prozent im Dezember ist immerhin klar, dass der Außenhandel einen mehr oder weniger positiven Wachstumsbeitrag geliefert hat. Nach Angaben der Bundesbank lag der preis- und saisonbereinigte Warenhandelsüberschuss im vierten Quartal um 5,7 Prozent über dem Niveau des dritten Jahresviertels.

Die Signale von den Investitionen sind auch gut. Der Inlandsumsatz der Investitionsgüterhersteller stieg um 1,0 Prozent, die Inlandsaufträge bei Investitionsgüterherstellern legten um 1,1 Prozent zu. Die Lagerveränderungen dürften im vierten Quartal eigentlich keinen Wachstumsbeitrag geliefert haben, nachdem sie die BIP-Veränderungsrate im dritten Quartal mit einem vollen Prozentpunkt gestützt hatten.

Eurostat veröffentlicht zweite BIP-Schätzung für viertes Quartal

Angesichts der Unsicherheiten bezüglich des deutschen BIP dürfte die zweite Veröffentlichung des Euroraum-BIP einige Stunden später (11.00 Uhr) erhöhte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Frage ist, ob und wie stark die intern an Eurostat übermittelte BIP-Schätzung für Deutschland vom nun zu meldenden Wert abweicht. In erster Veröffentlichung hatte Eurostat einen BIP-Anstieg von 0,2 Prozent in der Eurozone gemeldet.

BIP-Daten für das vierte Quartal kommen außerdem aus Großbritannien (Montag, 10.30 Uhr) und Japan (Donnerstag, 0.50 Uhr). Am Mittwoch (11.00 Uhr) veröffentlicht zudem Eurostat die Daten zur Entwicklung der Euroraum-Industrieproduktion im Dezember (11.00 Uhr). Am Freitag (15.15 Uhr kommen Daten zur US-Industrieproduktion im Januar.

Januar-Inflationsdaten aus den USA

Angesichts der deutlich geänderten Kommunikation der US-Notenbank, die bei weiteren Zinserhöhungen Geduld zeigen will, dürften die US-Inflationsdaten genau beobachtet werden. Der US-Verbraucherpreisindex (Mittwoch, 14.30 Uhr) ist im November und Dezember gesunken. Für Januar ist das nicht zu erwarten, Volkswirte rechnen mit einem leichten monatlichen Anstieg.

Die Commerzbank ist aber der Ansicht, dass einem etwaigen Inflationsanstieg keine zu große Bedeutung beigemessen werden sollte, da die US-Unternehmen dazu neigten, ihre Preise zum Jahreswechsel anzuheben, was die Saisonbereinigung jedoch nicht ausreichend berücksichtige. Zu allem Überfluss veröffentlichen die US-Statistiker am Montag neue Saisonbereinigungsfaktoren.

Weitere Veröffentlichungen betreffen die US-Erzeugerpreise (Donnerstag, 14.30 Uhr) und die Importpreise (Freitag, 14.30 Uhr). China veröffentlicht am Freitag (02.30 Uhr) ebenfalls Inflationsdaten. Die einzige geldpolitische Entscheidung der Woche kommt am Mittwoch (9.30 Uhr) von der schwedischen Riksbank. Mit einer Zinsänderung ist nach der Zinsanhebung in der vergangenen Sitzung nicht zu rechnen.

DJG/hab/apo

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