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SOCAR investiert in den Kapazitätsausbau

Erscheinungsdatum Website: 08.01.2019 15:55:42
Erscheinungsdatum Publikation: 09.01.2019

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BAKU (chem/GTAI)--Aserbaidschan realisiert in den kommenden Jahren zwei Großprojekte in der Petrochemie. Darüber hinaus sind viele kleinere Vorhaben in der chemischen und Kunststoffindustrie geplant. Ausländische Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen sowie Know-how haben gute Chancen, sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen einzubringen.

Bewegung kommt in den lange geplanten Bau eines neuen Produktionskomplexes für die Gasverarbeitung und Petrochemie. Der Komplex soll in Garadagh, einem Stadtbezirk der Hauptstadt Baku, entstehen. Verantwortlich ist die staatliche Ölgesellschaft SOCAR. Das ursprünglich ab 2016 geplante Vorhaben wurde wegen des niedrigen Ölpreises vorerst gestoppt. Nun soll der Bau in der ersten Jahreshälfte starten.

Künftig sollen in Garadagh 10 Mrd cbm Erdgas zu 9,1 Mrd cbm Nutzgas verarbeitet werden. Zudem ist die Produktion von Propylen, Polyethylen und Benzol geplant. Der Projektwert des gesamten Komplexes beträgt mehr als 4 Mrd US-Dollar. Etwa 50% des künftigen Ausstoßes sind für den türkischen Markt bestimmt.

Darüber hinaus erwägt die Ölgesellschaft SOCAR beziehungsweise deren türkische Tochtergesellschaft SOCAR Turkey Enerji den Bau eines zweiten Petrochemiekomplexes in Izmir. Die Machbarkeitsstudie für das Projekt mit einem veranschlagten Wert von bis zu 2,2 Mrd Dollar wird zurzeit erstellt. Im Dezember vereinbarten SOCAR Turkey und BP die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens für den Bau und den Betrieb eines weiteren Petrochemiekomplexes. Als Standort ist die türkische Stadt Aliaga 50 km nördlich von Izmir vorgesehen.

Zweites Großvorhaben in der Petrochemie ist die umfassende Modernisierung und der Ausbau der Ölraffinerie Heydar Aliyev in Baku. Das Projekt wird in drei Phasen bis 2021 umgesetzt. Die jährliche Produktion von Benzin soll dadurch auf 2,2 Mio t und von Dieselkraftstoff auf 2,9 Mio t erhöht werden.

Die erste Modernisierungsphase der Raffinerie wurde Ende Dezember abgeschlossen. Dabei wurde die jährliche Kapazität für die Produktion von Bitumen von 250.000 auf 400.000 t ausgeweitet. 2017 fertigte die Raffinerie Heydar Aliyev insgesamt rund 4,6 Mio t Ölprodukte.

Der Hauptakteur der Branche ist die Produktionseinheit Azerikimya der Ölgesellschaft SOCAR. Das Unternehmen modernisiert bis Anfang 2020 seine Produktion von Ethylen und Propylen. Damit soll der jährliche Ausstoß von Ethylen von heute im Schnitt 96.000 bis 105.000 t auf 192.000 t erhöht werden. Für Propylen ist geplant, die Produktion von 48.000 bis 55.000 t auf 187.000 t auszuweiten.

Die Gilan-Holding betreibt seit Ende 2017 die Fabrik Aqrokimya Azerbaijan für Pflanzenschutzmittel. Die jährliche Kapazität dieses Unternehmens soll in einer zweiten Ausbauphase von heute 10.000 t auf bis zu 20.000 t steigen. Das chinesische Unternehmen China National Electric Engineering (CNEEC) plant in Kooperation mit der Azerbaijan Investment Company den Bau einer Fabrik für Kfz-Reifen.

Das Unternehmen SOCAR Polymer errichtete in den letzten drei Jahren für mehr als 800 Mio Dollar Fabriken für die Produktion von Polypropylen und HD-Polyethylen. Diese verfügen über eine jährliche Kapazität von 184.000 t Polypropylen und 120.000 t HD-Polyethylen. Die Produktion startete im Juli. Die offizielle Inbetriebnahme der Anlagen für HD-Polyethylen ist im ersten Halbjahr 2019 vorgesehen.

Die 2018 und 2019 neu entstandenen oder modernisierten Betriebe dürften den wertmäßigen Jahresausstoß in der chemischen und Kunststoffindustrie von heute rund 500 Mio Dollar schon bald mindestens verdoppeln.

Aufbau einer neuen Wertschöpfungskette

SOCAR Polymer strebt künftig einen Jahresabsatz von 350 Mio Dollar an. Etwa 20 bis 25% des Ausstoßes sollen an inländische Abnehmer und 75 bis 80% an Kunden im Ausland geliefert werden. In einer späteren Ausbauphase plant das Unternehmen, die jährliche Kapazität für die Produktion von Polyolefinen von 300.000 t auf bis zu 570.000 t auszuweiten.

Als Polyolefine-Lieferant will sich der Konzern an der Errichtung einer Wertschöpfungskette in der Kunststoffindustrie beteiligen. Am Standort Sumgait soll ein Cluster für innovative Kunststofflösungen für den Bedarf aller Wirtschaftsbereiche entstehen. SOCAR Polymer unterzeichnete bereits mit rund 20 Firmen, darunter vor allem kleine und mittlere, Kooperationsvereinbarungen über die Herstellung verschiedenster Kunststofferzeugnisse.

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