Nachrichten für Außenhandel (NfA)

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"Nachrichten für Außenhandel (NfA)" – die einzige deutschsprachige Tageszeitung für die gesamte Außenwirtschaft bietet einen schnellen und strukturierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Wachstumsmärkten.

Die NfA liefert hochwertige und praxisrelevante Hintergrundinformationen, ausführliche Analysen und Bewertungen -  deutlich umfassender als in der Wirtschaftstagespresse. Im Fokus stehen die deutschen Exportbranchen mit Schwerpunkt auf Investitionsgütern

Deutschland: Wie sinnvoll ist die Euro-Initiative?

Erscheinungsdatum Website: 06.12.2018 16:00:08
Erscheinungsdatum Publikation: 07.12.2018

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Brüssel will den US-Dollar überwinden / Von Christian Grimm

BERLIN (Dow Jones)--Die Machtpolitik der USA gegen den Iran hat der EU offenbart, wie wenig sie dem geopolitisch entgegensetzen kann. Washington nutzt den Dollar als ökonomische Waffe und klemmt das Land gegen den Willen der Europäer von der Weltwirtschaft ab. Die Kommission hat reagiert und will den Euro als Gegengewicht stärken und zu einer zweiten Leitwährung machen (NfA-Update vom 6. Dezember). Was politisch einleuchten mag, widerspricht aber fundamental dem deutschen Wirtschaftsmodell.

Das Ansinnen dürfte an mehreren Gründen scheitern, wie die Ökonomen Sebastian Dullien, Christian Odendahl und Wolfgang Münchau in ihren Essays darlegen. Deutschland müsste sich zum Beispiel von seinem Modell als "Lieferant und Ausrüster der Welt" verabschieden. Denn eine Schlüsselwährung, die von großen Teilen der Welt verwendet wird, steht unter ständigem Aufwertungsdruck. Das wiederum macht die Exporte teurer und würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie schwächen.

Als Folgen drohen De-Industrialisierung, der Verlust gut bezahlter Arbeitsplätze sowie ein ausgeprägtes Handelsbilanzdefizit, wie sich an der US-Wirtschaft ablesen lässt. Präsident Donald Trump versucht sich an der schwierigen Aufgabe, einerseits die Reservewährung der Welt zu halten und andererseits die Vereinigten Staaten zu re-industrialisieren. Die Preisgabe des eigenen wirtschaftlichen Erfolgsmodells wird in den Berliner Ministerien und im Kanzleramt nicht einmal im Entferntesten erwogen. Deutschland als mächtigstes Mitglied der EU und der Eurozone verlangt in der Wirtschafts- und Finanzpolitik Gefolgschaft von den europäischen Partnern, was die Griechenland auferlegte und international umstrittene Austerität demonstriert.

Gegen den Euro als Pendant zum Dollar spricht außerdem der fragmentierte Finanzmarkt des Euroraums. Es gibt für internationale Investoren zu wenige sichere Wertpapiere, weil selbst Deutschland zu wenig Anleihen ausgibt, um auf ein nennenswertes Volumen zu kommen. Italien als drittgrößte Volkswirtschaft des Währungsblocks gilt als ein zu unsicherer Kantonist, als dass sich Investoren darauf verlassen könnten, die Titel ohne Wertverlust rasch wieder liquide machen zu können. Bleiben Frankreich und mit Abstrichen Spanien, deren Bonität aber nicht über jeden Zweifel erhaben ist.

Die Brüsseler Träume von einem mächtigen Euro gehen auch wegen der immer noch wackligen Konstruktion der Währungsunion nicht auf. "Wer sich nicht auf interne Reformen einigen kann, wird es auch nicht mit dem Dollar aufnehmen können", kommentierte der Wirtschaftspolitiker der Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold, die Vorschläge der Kommission. Zuvor hatten sich die Finanzminister auf Schritte zur Vertiefung des Währungsblocks geeinigt, die von Kommentatoren als Reförmchen verspottet wurden. Ohne eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik, so der Tenor der Ökonomen, wird der Euro immer verwundbar bleiben. Wie wahr dieses Diktum ist, beweist der Streit mit der italienischen Regierung.

NfA/7.12.2018

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