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Yahoo trennt sich endlich von Alibaba-Beteiligung
Erscheinungsdatum Website: 18.05.2012 17:15:03
Erscheinungsdatum Publikation: 21.05.2012
SAN FRANCISCO (Dow Jones)--Nach langem Hin und Her scheint sich nun endlich ein Ende der wechselvollen Partnerschaft zwischen den Internetkonzernen Yahoo aus Kalifornien und der chinesischen Alibaba Group abzuzeichnen. Die Amerikaner haben einen Weg gefunden, ihre Beteiligung zu Geld zu machen, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen.
Die Vereinbarung, die beide Unternehmen ausgehandelt haben, brauche noch das Plazet beider Unternehmens-Boards. Die Zustimmung sei aber sehr wahrscheinlich, so dass Montag mit der Verkündung zu rechnen sei. Der Verkauf von Beteiligungen ist ein wichtiger Baustein des angeschlagenen Internetkonzerns Yahoo, die Trendwende hin zu profitablem Wachstum zu schaffen.
Allerdings wäre es auch keine große Überraschung, ginge in letzter Minute noch etwas schief. Es wäre nämlich nicht das erste Mal, dass Verhandlungen zwischen den beiden Konzernen auf der Zielgeraden noch scheitern. Erst kürzlich hatten beide Unternehmen eine Steuern sparende Transaktion vereinbart, die aber dann doch nicht zum Abschluss gebracht wurde.
Das jetzige Modell sieht vor, dass Yahoo zunächst die Hälfte seiner 40-prozentigen Alibaba-Beteiligung an das Unternehmen verkauft - steuerpflichtig. Der Wert dieses Anteils dürfte bei rund 7 Mrd USD liegen. Um sich den Kauf leisten zu können, strebt Alibaba eine Kapitalerhöhung an.
Wenn Yahoo dann die fälligen Steuern von 35% oder mehr auf die langfristigen Gewinne bezahlt hat - Yahoo hat an der Alibaba-Beteiligung gut verdient, beim Einstieg war der Anteil nur einen Bruchteil wert - sollen die freigewordenen Mittel den Yahoo-Aktionären über ein Aktienrückkaufprogramm zugute kommen.
Die dürften sich freuen. Die Aktie des einstigen Börsenstars dümpelt nun schon seit mehreren Jahren im Bereich um die 15 USD herum. Zur Erinnerung: Kurz vor Platzen der Internetblase Anfang des Jahrtausends war die Yahoo-Aktie ein vielfaches wert. Im September 2008 rutschte das Papier schließlich unter die Schwelle von 20 USD, die sie seitdem nur noch von unten aus der Ferne gesehen hat.
Für die Aktionäre steht offenbar auch die Zahlung einer Dividende im Raum. Es sei aber noch nicht klar, ob nicht ein Teil des Geldes für zukünftige Akquisitionen auf die hohe Kante gelegt wird, sagten informierte Personen. Dies sei aber eher unwahrscheinlich.
Die Vereinbarung zwischen Alibaba und Yahoo sieht ferner vor, dass die Chinesen einen Börsengang anstreben, sagten die informierten Personen. Dafür gebe es aber keinen vertraglich festgelegten Zeitplan. Alibaba-Manager hatten schon vorher öffentlich einen Gang aufs Parkett signalisiert, was durch die Verabredung mit Yahoo immer wahrscheinlicher wird.
Yahoo wird sich laut Absprache an dem IPO beteiligen und weitere 10% der Aktien verkaufen. Damit würden die Kalifornier noch etwa 10% halten, von denen sie sich nach und nach über die Börse trennen können.
Sollte die Transaktion in der geplanten Form über die Bühne gehen, wäre dies das von vielen herbeigesehnte Ende einer der langwierigsten und umstrittensten Verbindungen in der Internet-Welt.
War die Kooperation einst eng, so gab es immer wieder Streitigkeiten, die oftmals öffentlich ausgetragen wurden. So gab es ein hässliches Hin und Her über die Sparte Aliplay mit der ehemaligen Yahoo-Chefin Carol Bartz, mal drohte Alibaba-Gründer Jack Ma, Yahoo mit Hilfe von Finanzinvestoren zu übernehmen. Zuletzt gab es aber wieder freundlichere Töne.
Ex-CEO Scott Thompson hat den jetzigen Deal eingefädelt. Dieser liegt jetzt in den Händen eines Yahoo-Boards, das in den letzten Wochen massive personelle Veränderungen durchlebt hat. Es kommt am Freitag zusammen und wird möglicherweise auch übers Wochenende beraten.
Sollte alles glattgehen, wird wohl Interimschef Ross Levinsohn die Früchte ernten. Thompson war am vergangenen Wochenende zurückgetreten. Es hieß, er habe Krebs. Er war aber auch umstritten, da er seinen Lebenslauf mit einem Abschluss in Computerwissenschaften frisiert hatte.
Dem Aktienkurs dürfte der Alibaba-Deal zugute kommen. Auf Levinson warten aber noch ganz andere Baustellen. Dazu gehört die Minderheitsbeteiligung von einem Drittel an Yahoo! Japan. Diese soll möglicherweise an den japanischen Partner Softbank veräußert werden.
Außerdem läuft derzeit noch ein Patentprozess gegen Facebook, ferner muss die Suchmaschinen-Vereinbarung mit Microsoft neu verhandelt werden. Nicht zuletzt muss das Kerngeschäft wieder auf die Beine kommen. Das Anzeigengeschäft ist massiv unter Druck und braucht dringend eine Generalüberholung, um wieder auf den Wachstumspfad zurückzufinden.
mgo/kla

