Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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UPDATE2: US-Arbeitsmarkt überrascht im Februar positiv
Erscheinungsdatum Website: 05.03.2010 18:15:03
Erscheinungsdatum Publikation: 08.03.2010
FRANKFURT/WASHINGTON (Dow Jones)--Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im Februar besser dargestellt als erwartet. Die Beschäftigung sank trotz widriger Witterungsbedingungen weniger stark als befürchtet, und die Daten für die beiden Vormonate fielen im Schnitt günstiger als bisher berichtet aus. Auch die gegenüber dem Vormonat unveränderte Arbeitslosenquote werteten Bankvolkswirte positiv. Vor diesem Hintergrund haben sich auch die Markterwartungen einer Zinserhöhung der US-Notenbank im Herbst diesen Jahres verstärkt.
Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag berichtete, fiel die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft um 36.000 gegenüber dem Vormonat. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten vor allem wegen der schweren Schneestürme an der US-Ostküste für Februar einen mehr als doppelt so hohen Rückgang um 75.000 erwartet. Zugleich kam es zu Aufwärtsrevisionen der beiden Vormonate um insgesamt 35.000 Stellen.
Seit dem Beginn der Rezession im Dezember 2007 hat die US-Wirtschaft nunmehr 8,4 Millionen Arbeitsplätze eingebüßt. Dabei hat sich die Abwärtsdynamik allerdings deutlich verlangsamt: Im Februar 2009 musste noch ein massiver Jobverlust von 726.000 hingenommen werden.
Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote belief sich im Februar unverändert auf 9,7%. Ökonomen hatten einen Anstieg der Quote um 0,1 Prozentpunkt auf 9,8% erwartet. Im Oktober 2009 hatte die Quote mit 10,1% ihren bisherigen Hochpunkt in dem laufenden Zyklus verzeichnet.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen den weiteren Angaben zufolge um 0,03 USD auf 18,93 USD, während Ökonomen einen Zuwachs um 0,04 USD erwartet hatten. Allerdings wurde der Anstieg im Vormonat um 0,01 USD nach oben revidiert. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit fiel im Vergleich zum Vormonat um 0,2 auf 33,1 Stunden, was allerdings auf das schlechte Wetter zurückzuführen sein dürfte.
"Das harte Winterwetter in Teilen des Landes könnte die Beschäftigung und Arbeitsstunden beeinträchtigt haben", erklärte das Arbeitsministerium. "Es ist allerdings nicht möglich, den Nettoeinfluss der Winterstürme zu quantifizieren." Die Schneestürme vom 4. bis 7. Februar und 9. bis 11. Februar an der US-Ostküste könnten dazu geführt haben, dass nicht alle Beschäftigten im Rahmen der Umfrage - die bis 12. Februar lief - erreicht wurden. Auch Neueinstellungen könnten sich wegen des Wetters verschoben haben, erklärte das Ministerium weiter.
Damit sind die Februar-Zahlen durch zwei Sonderfaktoren verzerrt: Einerseits haben die schlechten Witterungsbedingungen die Entwicklung belastet, andererseits wurden wegen der Volkszählung 2010 erneut temporäre Mitarbeiter eingestellt. Insofern dürften die Beschäftigungszahlen nicht den grundlegenden Trend am US-Arbeitsmarkt widerspiegeln, sagten Beobachter.
Der negative Einfluss der Schneestürme war nach Einschätzung der Wirtschaftsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Christina Romer, beträchtlich. Die verzerrten Daten dürften daher nicht überinterpretiert werden. "Obwohl die Arbeitsmarktlage weiter katastrophal ist, steht der heutige Arbeitsmarktbericht im Einklang mit der in den vergangenen Monaten zu beobachtenden Stabilisierung und schrittweisen Erholung am Arbeitsmarkt", sagte die Vorsitzende des Council of Economic Advisers (CEA) weiter.
Deutliche Stellenrückgänge wurden im Februar im güterproduzierenden Gewerbe (minus 60.000) verzeichnet. Dabei ging mit einem Minus von 64.000 vor allem die Beschäftigung im Baugewerbe zurück, während im verarbeitenden Gewerbe 1.000 Jobs geschaffen wurden.
In der in den USA besonders wichtigen Dienstleistungsbranche wurden 42.000 Arbeitsplätze aufgebaut. In der Zeitarbeit, die von Ökonomen als Frühindikator für den zukünftigen Trend betrachtet wird, wurden sogar 47.500 neue Jobs geschaffen. Davon dürften etwa 15.000 Zeitarbeiter im Zusammenhang mit der Volkszählung eingestellt worden sein.
Nach Einschätzung von ING-Ökonom Rob Carnell fiel der Arbeitsmarktbericht im Februar sehr positiv aus. Die Daten seien zwar durch die Schneestürme verzerrt, im März dürfte es hier aber zu einer positiven Gegenbewegung kommen. Auch die temporären Einstellungen für die Volkszählung dürften sich fortsetzen, so dass für den kommenden Monat ein Beschäftigungsaufbau zu erwarten sei. Die Daten lieferten - trotz Verzerrungen - ein tröstliches Signal für die Erholung der US-Wirtschaft.
Postbank-Ökonom Heinrich Bayer wertete vor allem die Stabilisierung der Arbeitslosenquote als positiv. "Das aktuelle Ergebnis erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Arbeitslosenquote ihren Höhepunkt bereits überschritten hat", sagte er. Als negativ in dem Arbeitsmarktbericht betrachtet Bayer allerdings den Rückgang der Zahl der geleisteten Wochenarbeitsstunden, der vor allem im verarbeitenden Gewerbe mit minus 0,4 Stunde auf 39,5 Stunden "recht ausgeprägt" ausfiel.
Vor diesem Hintergrund bezeichnete der Postbank-Ökonom den Arbeitsmarktbericht als "durchwachsen". Er sei nicht ganz so schlecht ausgefallen, wie zuletzt am Markt befürchtet worden war, Hinweise auf eine bevorstehende durchgreifende Besserung liefere er aber auch nicht. "Wir gehen davon aus, dass die US-Beschäftigung in den kommenden Monaten um das aktuelle Niveau pendeln wird", sagte Bayer. Für den weiteren Jahresverlauf seien die Chancen auf eine allmähliche Belebung jedoch nicht schlecht.
Auch NordLB-Ökonom Bernd Krampen geht davon aus, dass die konjunkturelle Erholung mit einer gewissen Verzögerung von einigen Monaten auf dem Arbeitsmarkt Wirkung zeigen wird. Mit weiteren Aufhellungen sei bereits in den kommenden Monaten zu rechnen. "Das wird über kurz oder lang auch die Federal Reserve berücksichtigen, für die die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ein wichtiges Kriterium für ihre geldpolitischen Entscheidungen ist", erklärte Krampen.
Angesichts der besser als erwarteten Arbeitsmarktentwicklung wird gemessen an den Fed Funds Futures nun eine erste Zinserhöhung der US-Notenbank im September mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% eingepreist. Vor der Bekanntgabe der Daten war die entsprechende Wahrscheinlichkeit noch auf 38% taxiert worden. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im November stieg sogar auf 90% von zuvor 76%. Gegenwärtig liegt der US-Leitzins in einer Spanne von 0% bis 0,25%.
Katrin Härtel
DJG/kth/bam

