Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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Deutsche Bank erwartet trotz Dürre zahme Inflation

Erscheinungsdatum Website: 09.08.2018 18:15:03
Erscheinungsdatum Publikation: 10.08.2018

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FRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Bank rechnet trotz der erheblichen Ernteausfälle nach dem extrem heißen Sommer in Deutschland nur mit einer verhaltenen Inflationsentwicklung. "In den kommenden Monaten dürfte die Preisentwicklung eher verhalten bleiben, angesichts teilweise sehr ergiebiger Obsternten und rückläufiger Teuerung bei Milchprodukten. Zudem führen langfristige Lieferverträge dazu, dass Preisänderungen an den Rohstoffmärkten nur zeitverzögert bei den Nahrungsmittelpreisen in den Supermärkten ankommen", schreibt Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland, in einer Analyse.

Auch wirke der Weltmarkt nicht zuletzt durch die unterschiedlichen Erntezeiten auf der nördlichen und südlichen Erdhalbkugel tendenziell dämpfend auf die Preisentwicklung. Gerade bei Weizen seien die globalen Lager derzeit mit 237 Millionen Tonnen (mehr als ein Drittel einer Jahresernte) gut gefüllt. Außerdem liege der Anteil der Rohstoffkosten bei vielen Nahrungsmitteln aus Supermärkten bei lediglich etwa 40 Prozent. Transport, Arbeit, Verpackung und Mieten stellten den größeren Kostenblock dar, was ebenfalls die Preisausschläge dämpfe.

"Wenngleich Nahrungsmittel lediglich ein Gewicht von 9,8 Prozent an der deutschen Inflationsrate haben, sind sie doch mit Blick auf die 'gefühlte' Inflation von erheblichem Interesse", schreibt Schneider.

Das extrem trockene Sommerwetter wird nach Expertenschätzungen zu erheblichen Ernteausfällen in Deutschland führen. Auch in europäischen Nachbarländern sowie bei anderen großen Lebensmittelerzeugern wie beispielsweise den USA oder Australien dürfte die Ernte witterungsbedingt sehr schwach ausfallen. Die Weizenpreise für Lieferung im Dezember dieses Jahres sind in den letzten Wochen um knapp 20 Prozent gestiegen. Der Preis für Kartoffeln an der Leipziger Warenterminbörse verdoppelte sich zwischenzeitlich gar.

Weizen- und Brotpreis nur locker verbunden

Je näher man an die Verbraucherebene komme, desto geringer seien die Preisausschläge, schreibt Schneider. Bei Weizen habe sich gerade in den letzten Jahren nur ein sehr lockerer Zusammenhang zwischen globaler Produktion und dem Weltmarktpreis gezeigt. Auch der Zusammenhang zwischen deutschem Weizenpreis und den Verbraucherpreisen für Brot und Getreideprodukte sei nicht sehr eng.

Trotzdem dürften wohl die Nahrungsmittelpreise spätestens 2019 wieder anziehen und nicht, wie beispielsweise von der Bundesbank noch im Juni unterstellt, nur noch mit ihrer langfristigen Durchschnittsrate von 1,5 Prozent steigen. Aber selbst wenn die Nahrungsmittelpreise um 6 Prozent, dem im Jahr 2008 notierten höchsten Anstieg seit 1991, zulegen sollten, würde dies die Inflationsrate insgesamt im Vergleich zu der wohl nicht mehr zeitgemäßen Annahme der Bundesbank nur um 0,4 Prozentpunkt erhöhen, kalkuliert Schneider.

"Die deutsche Inflationsrate dürfte selbst in einem solchen Szenario im Jahresdurchschnitt nicht über 2 1/4 Prozent klettern. Es sei denn die Energiepreise stiegen massiv und/oder der Euro-Wechselkurs gibt deutlich nach", erläutert Schneider. Beide Faktoren entzögen sich aber wie die Nahrungsmittelpreise weitestgehend einer exakten Vorhersage.

DJG/apo/bam

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