Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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OECD kritisiert niedriges Eigenkapital deutscher Großbanken

Erscheinungsdatum Website: 12.06.2018 17:10:03
Erscheinungsdatum Publikation: 13.06.2018

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PARIS (Dow Jones)--Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) betrachtet die vergleichsweise niedrige Eigenkapitalausstattung deutscher Großbanken als ein Risiko für die Finanzstabilität. In ihrem aktuellen Länderbericht für Deutschland kritisiert sie außerdem die hohen Derivatepositionen deutscher Institute und warnt vor der hohen Anfälligkeit der Landesbanken für Solvenzrisiken.

"Die ungewichteten Eigenkapitalquoten der Banken in Deutschland sind nach wie vor niedriger als in vielen anderen OECD-Ländern, besonders hoch ist die Verschuldung bei den Großbanken", heißt es in dem Bericht. Mitte 2017 habe die Leverage Ratio der sieben größten Banken gemäß der Definition in der Eigenmittelverordnung, die die Banken bis 2022 vollständig umsetzen müssten, bei 3,7 Prozent gelegen.

Laut OECD verstärkt die geringe Verlustabsorptionsfähigkeit des Eigenkapitals den verzerrenden Effekt impliziter Staatsgarantien, weil die neuen Instrumente zur Abwicklung global tätiger Banken noch unerprobt sind. "Der Glaube, dass systemrelevante Banken im Krisenfall möglicherweise vom Staat gerettet werden, kann bei den Banken zu überhöhter Risikoneigung führen", monierte die OECD.

Für besonders riskant hält die in Paris ansässige Organisation die Tatsache, dass 20 Prozent der Aktiva deutscher Großbanken auf Derivate entfallen. Durch die Konzentration von Derivatpositionen bei Großbanken würden die Risiken, die mit einem hohen Verschuldungsgrad einhergingen, verschärft", befindet die OECD. Sie schlägt der Bundesregierung daher vor, eine strikte Trennung von Retailbanking und Investmentbanking durchzusetzen.

Mit Blick auf die Landesbanken rät die OECD zu mehr Privatisierungen. "Weitere Privatisierungsfortschritte könnten Risiken mindern und den Marktaustritt wenig profitabler Banken erleichtern", heißt es in dem Bericht. Landesbanken, die sich überwiegend im Besitz der Bundesländer befänden, hätten im Hinblick auf die Effizienz und die Anfälligkeit gegenüber Solvenzrisiken keine gute Bilanz und seien weniger rentabel als andere Banken.

DJG/hab/brb

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