Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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EZB signalisiert Ende des Kaufprogramms

Erscheinungsdatum Website: 12.06.2018 17:05:32
Erscheinungsdatum Publikation: 13.06.2018

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FRANKFURT (Dow Jones)--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte nach seinen Beratungen am Donnerstag ein Ende des Anleihekaufprogramms APP signalisieren. Davon gehen nunmehr die meisten Beobachter aus, nachdem die EZB in der vorigen Woche etwas überraschend die kommunikative Brechstange angesetzt und damit anders geartete Markterwartungen weitgehend korrigiert hatte.

Dass sie am Donnerstag bereits Details ihres Ausstiegs oder gar Vorstellungen hinsichtlich des künftigen Zinskurses mitteilen wird, halten Analysten für weniger wahrscheinlich. Die EZB wird ihre geldpolitischen Entscheidungen um 13.45 Uhr bekanntgeben. Die Pressekonferenz mit Präsident Mario Draghi beginnt gegen 14.30 Uhr.

Derzeit liegt der Hauptrefinanzierungssatz der EZB bei null, der Satz für Überschusseinlagen der Banken sogar bei minus 0,40 Prozent. Keiner der 45 von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwartet, dass sich daran am Donnerstag etwas ändern wird.

EZB hebt Zinsen erst deutlich nach Ende der Nettokäufe an

Der negative Einlagensatz schmerzt die Banken besonders, denn wegen der von der EZB über Wertpapierkäufe erzeugten Liquiditätsschwemme orientiert sich das Niveau der kurzfristigen Marktzinsen an eben diesem Satz. Derzeit sagt die EZB: Wir werden unsere Zinsen erst deutlich nach dem Ende des Nettoerwerbs von Anleihen anheben. Deutlich bedeutet: Mehr als ein Quartal.

Nach dem Ende des Nettoerwerbs bedeutet: Wenn die Ankäufe nicht mehr zu einer Bilanzvergrößerung führen - bis Ende September stockt die EZB ihre Anleihebestände nämlich im Rahmen des APP monatlich um 30 Milliarden Euro auf. Analysten erwarten überwiegend, dass die EZB ihre Ankäufe bis Jahresende einstellen und möglicherweise im Oktober nochmal das Monatsvolumen verkleinern wird.

"Für die Zeit nach Ende 2018 dürfte das Kaufprogramm nicht mehr verlängert werden", schrieb Oliver Holtemöller vom Wirtschaftsforschungsinstitut IWH in Beantwortung einer Frage von Dow Jones Newswires.

Sobald die Nettokäufe - also der Ankauf zusätzlicher Anleihen - beendet sind, kauft die EZB zwar immer noch Anleihen, und das nicht wenig, doch ersetzt sie dann nur noch die Fälligkeiten. Das ist auch der Moment, an dem die Zinserhöhungsuhr zu ticken beginnt. Nennt die EZB einen Endtermin für ihre Nettoankäufe, sollte sie möglichst auch einen Kommunikationsplan für die Zinsen in der Tasche haben.

Analysten erwarten noch keine neue Forward Guidance zu Leitzinsen

Angesichts der zahlreichen Bedrohungen des Wirtschaftswachstums glauben nicht viele Analysten, dass das jetzt schon der Fall ist. Also erwarten die meisten von ihnen, dass die EZB noch keine neue Forward Guidance für die Zinsen liefern wird. Aus dem gleichen Grund gehen viele von ihnen davon aus, dass die Zentralbank noch keinen APP-Endtermin nennen wird. Und bis vor kurzen hätten die meisten von ihnen auch gewettet, dass jegliche Kommunikationsänderung im Hinblick auf die künftige Geldpolitik bis Juli würde warten müssen.

Bis in der vorigen Woche EZB-Chefvolkswirt Peter Praet auftrat und sagte, dass der EZB-Rat schon in der nächsten Woche darüber beraten werde, ob das APP noch zu den Inflationsaussichten passe, und andeutete, dass die drei Kriterien der EZB für eine nachhaltige Inflationswende als erfüllt anzusehen seien. In der Folge sprangen Anleiherenditen und Euro nach oben - Botschaft angekommen.

"Wir können Praets Rede nicht ignorieren, und deshalb erwarten wir jetzt die Ankündigung, dass die Ankäufe eingestellt werden", schrieb Jose Manuel Villaverde, Volkswirt bei der Cecabank, auf Anfrage.

Allerdings teilen die wenigsten Volkswirte Praets plötzlichen Optimismus im Hinblick auf die Inflation, auch wenn die Verbraucherpreise im Mai ölpreisbedingt und wegen Sondereffekten bei den Dienstleistungspreisen mit einer Jahresrate von 1,9 (April: 1,2) Prozent gestiegen sind und für die am Donnerstag anstehenden Inflationsprognosen mit einer Aufwärtsrevision zu rechnen ist.

Volkswirte heben Inflationsprognose 2018 an und senken Wachstumsprognose

Im März prognostizierten die Ökonomen des EZB-Stabs für 2018, 2019 und 2020 Inflationsraten von 1,4, 1,4 und 1,7 Prozent. Die von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen rechnen für 2018 mit einer Inflationsrate von 1,6 (bisher: 1,5) Prozent und für 2019 mit 1,6 (1,6) Prozent Inflation. Doch das grundlegende Inflationsbild hat sich nicht geändert.

Und die Wachstumsaussichten haben sich unter anderem wegen des Handelsstreits mit den USA und des gestiegenen Ölpreises eher eingetrübt. Im März prognostizierten die EZB-Ökonomen für die nächsten drei Jahre Wachstumsraten von 2,4, 1,9 und 1,7 Prozent. Die Prognosen der von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen für 2018 und 2019 lauten auf 2,2 (2,3) und 1,9 (1,9) Prozent.

Kein Wunder also, dass unter Beobachtern der Eindruck entsteht, dass das Ende des APP so oder so kommen wird, wenn nicht gerade eine Katastrophe passiert. Der Grund ist, dass die EZB schon so viele Papiere gekauft hat, dass sie bei einigen Ländern, zum Beispiel Deutschland, an selbst gesteckte Obergrenzen gerät. Dies berücksichtigend, kann sie mit einer Änderung ihrer Kommunikation nicht mehr lange warten.

Was der EZB-Rat am Donnerstag beschließt, könnte ein Kompromiss zwischen dieser Notwendigkeit und der Absicht sein, sich in derart unsicheren Zeiten nicht zu früh festzulegen. Unter den von Dow Jones Newswires befragten Analysten erwarten nur die von der BBVA, dass der Einlagenzins vor Mitte 2019 angehoben wird. Die Cecabank sieht eine 50-prozentige Chance.

DJG/hab/apo

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