Finanz- und Wirtschaftsspiegel

Der Newsletter "Finanz- und Wirtschaftsspiegel" informiert täglich über die Aktivitäten der internationalen Zentralbanken mit Schwerpunkt auf die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve und die Bank of Japan.

IWF: Kredite werden bei günstigen Finanzierungsbedingungen riskanter

Erscheinungsdatum Website: 13.04.2018 21:02:22
Erscheinungsdatum Publikation: 16.04.2018

zurück zur Übersicht

FRANKFURT (Dow Jones)--Ein beschleunigtes Kreditwachstum geht nach Erkenntnissen des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem erhöhten Risikogehalt von Unternehmenkrediten einher. Der IWF kommt in seinem Globalen Finanzstabilitätsbericht zu der Erkenntnis, dass dieser Effekt ein Stabilitätsrisiko darstellt, das über den bereits bekannten negativen Stabilitätseffekt einer gesteigerten Kreditvergabe hinausgeht.

"Der Risikogehalt der Kreditvergabe steigt in Perioden eines stärkeren Kreditwachstums besonders deutlich, wenn gleichzeitig die Kreditstandards locker und die Finanzierungsbedingungen günstig sind", schreibt der IWF. Das bedeutet: Unter solchen Bedingungen nimmt der Anteil von Krediten an Unternehmen mit schwächerer Bonität zu Lasten der Kreditvergabe an Unternehmen mit besserer Bonität zu.

Laut IWF ist dieser Zusammenhang global zu beobachten. "Der Anteil der hoch rentierlichen Anleiheemissionen von Unternehmen mit einem niedrigen Rating hat seit der Finanzkrise in den USA zugenommen und befindet sich im Euroraum und in Großbritannien nahe bei oder auf einem Allzeithoch", so der IWF.

Nach seiner Untersuchung erhöht ein größeres Keditrisiko die Wachstumsrisiken und die Wahrscheinlichkeit von Bankenkrisen über das Maß hinaus, das eine höhere Kreditvergabe für sich genommen mit sich bringt. "Eine riskantere Unternehmenkreditvergabe ist also eine eigenständige Quelle finanzieller Verletzlichkeit", folgert der IWF.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht seit Jahren, mit verschiedenen geldpolitischen Instrumenten die Kreditvergabe im Euroraum anzukurbeln. Kritiker werfen ihr vor, mit der Politik des billigen Geldes nicht lebensfähige Unternehmen am Leben zu halten.

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio hatte kürzlich gesagt, die hohe Bepreisung von Unternehmensanleihen beruhe vielfach auf sehr optimistischen Annahmen zur weiteren Entwicklung von Schuldenlast und Gewinnentwicklung. Die Entwicklung in einigen Hochzinsmärkten müsse genau beobachtet werden.

DJG/hab/apo/16.04.2018

zurück zur Übersicht