Nachrichten für Außenhandel (NfA)

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Deutschland: "Unsere Unternehmen brauchen Verlässlichkeit"

Erscheinungsdatum Website: 13.03.2018 15:50:13
Erscheinungsdatum Publikation: 14.03.2018

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In der Wirtschaft wächst die Brexit-Unruhe

FRANKFURT/BERLIN (NfA/Dow Jones)--Der BDI hat an die britische Regierung appelliert, auf dem EU-Gipfel Ende kommender Woche eine Übergangsphase nach dem 29. März 2019 mit Geltung des Status Quo zu vereinbaren. "Noch 381 Tage bis zum Abschied des Vereinigten Königreichs aus der EU, und noch neun Tage bis zur entscheidenden Sitzung in Brüssel", sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. "Unsere Unternehmen brauchen Verlässlichkeit", forderte er. Nun biete sich die Gelegenheit, Unsicherheiten von Unternehmen entgegenzuwirken.

Die Industrie benötige "ein Jahr Vorlaufzeit", um bestehende Notfallpläne abzurufen, so Lang. Großbritannien solle die Chance unbedingt nutzen, um ein beruhigendes Signal zu senden, um "zwei Jahre Zeit" zu gewinnen. "Wir fordern eine entsprechende Grundsatzentscheidung seitens der EU und der britischen Regierung", mahnte er. "Andernfalls sind einige Unternehmen gezwungen, ihre Notfallpläne scharfzustellen - für das Worst-Case-Szenario, das keiner will."

"Der Brexit wirft bereits seine Schatten voraus", konstatierte Lang. So sei Großbritannien im vergangenen Jahr um zwei Plätze auf Rang fünf der wichtigsten Handelspartner Deutschlands zurückgefallen. Die Zuströme ausländischer Direktinvestitionen in das Vereinigte Königreich seien laut UNCTAD im letzten Jahr um 90% gesunken. "Das ist ein Alarmsignal, das London hören muss", so der BDI-Manager. Die Auswirkungen seien aber "wenig im Vergleich zu dem, was kommen kann".

Zunehmende Unruhe erfasst auch die Maschinenbauer. ?Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis kann keinen Binnenmarkt ersetzen. Wenn es in der EU und Großbritannien zwei getrennte Rechtssysteme gibt, dann werden sie sich mit der Zeit auseinanderentwickeln?, betont der Hauptgeschäftsführer des VDMA, Thilo Brodtmann. Für die Maschinenbauer werde der Handel mit Großbritannien teurer und aufwändiger, "wenn dort andere technische Vorgaben gelten als in der EU". Das werde auch ein Handelsabkommen nicht vollständig verhindern können, weil die EU nur einen geringen Spielraum für Kompromisse habe. Der Erhalt des Binnenmarktes sei "am Ende wichtiger als Zugeständnisse an Großbritannien?.

Der VDMA setzt sich für eine Zollunion mit dem Vereinigten Königreich ein, um den Schaden für die Industrie so gering wie möglich zu halten. ?Ein bloßes Handelsabkommen ist eigentlich zu wenig und würde eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Status Quo bedeuten?, sagte Brodtmann. ?Ein Handelsabkommen würde in jedem Fall Grenzkontrollen und Zollabfertigung bedeuten, selbst wenn beide Seiten auf die Erhebung von Zöllen verzichten.?

Bereits jetzt wirkt sich der EU-Austritt Großbritanniens im März 2019 negativ auf den Maschinenbau aus. Im letzten Jahr sanken die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich laut VDMA um 2,9% auf 7,2 Mrd Euro. In der Liste der größten Exportmärkte des deutschen Maschinenbaus rutschte Großbritannien hinter Italien auf Platz 5 ab. Dieser Abwärtstrend dürfte sich im laufenden Jahr beschleunigen. Gründe sind aus Sicht des VDMA die Verunsicherung aufgrund der offenen Brexit-Fragen sowie die deutliche Abwertung des Pfundes.

NfA/14.3.2018

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