Finanz- und Wirtschaftsspiegel

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DeBa-Chefvolkswirt: Größte Bond-Blase der Geschichte

Erscheinungsdatum Website: 06.12.2017 16:00:03
Erscheinungsdatum Publikation: 07.12.2017

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FRANKFURT (Dow Jones)--Staatsanleihen sind nach Aussage des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, hoffnungslos überbewertet. Der Ökonom warnte vor Journalisten in Frankfurt vor einer früher oder später zu erwartenden Korrektur dieser Übertreibung, die sich zu einer neuen Finanzkrise auswachsen könne. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) zumindest bis September 2018 Anleihen kaufen will, hält Folkerts-Landau für verfehlt, Italiens Staatsschulden für nicht tragfähig.

"Das ist die größte Anleihepreisblase in der Geschichte der Menschheit", sagte Folkerts-Landau. Er fügte hinzu: "Die Frage ist: Kommen wir da ohne eine Finanzkrise heraus?" Der Ökonom verwies zur Illustration auf die Rendite deutscher Bundesanleihen, die derzeit bei knapp 0,3 Prozent notiert, seiner Ansicht nach aber bei 1,5 bis 2,0 Prozent liegen müsste. Es könne durchaus noch ein oder zwei Jahre so weitergehen, ohne dass es zu einer Krise oder einem Rückschlag komme, aber früher oder später werde es passieren.

Besorgnis erregend findet der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt den Zustand der italienischen Staatsfinanzen. "Ich glaube, es gibt das echte Problem, dass die italienischen Staatsschulden nicht tragfähig sind", sagte er. Zumindest gelte das bei einer Betrachtung über den gesamten Konjunkturzyklus. Folkerts-Landau sieht ein gewisses Risiko, dass in der nächsten Rezession die Idee eines teilweisen Forderungsverzichts privater Gläubiger aufkommt.

Dass die EZB ihre Anleihekäufe bis September 2018 verlängert hat, hält der Ökonom für "ziemlich großzügig". "Die EZB ist hier hinter der Kurve", sagte er. Sorge bereitet Folkerts-Landau vor allem die Möglichkeit, dass die Inflation stärker als erwartet anziehen und die Zentralbanken zu einer relativ heftigen Reaktion zwingen könnte.

Sein Kollege, der Makro-Stratege Jim Reid, sieht die Welt derzeit "in der Mitte eines Superzyklus", der Anfang der 1970er Jahre mit dem Ende der Gold-Bindung des Dollar und dem darauf beruhenden System fester Wechselkurse begonnen hat. Bis dahin hätten feste Wechselkurse die Staaten gezwungen, ihre Probleme "in Echtzeit" anzugehen, seitdem setzten sie auf höhere Schulden und Geldschöpfung, argumentierte Reid.

Reid hält Fiat-Geld für instabil. Dass dieses Geldsystem bisher nicht zu weltweit höherer Inflation geführt hat, liegt seiner Einschätzung nach an dem über Jahrzehnte steigenden Arbeitsangebot. Diese Entwicklung werde jedoch Mitte der 2020er Jahre auslaufen. Auslöser der nächsten Finanzkrise könnte laut Reid das Ende der lockeren Geldpolitik sein.

DJG/hab/sha

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