Finanz- und Wirtschaftsspiegel

Der Newsletter "Finanz- und Wirtschaftsspiegel" informiert täglich über die Aktivitäten der internationalen Zentralbanken mit Schwerpunkt auf die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve und die Bank of Japan.

Deutsche Börse denkt über Alternativen zu Kengeter nach

Erscheinungsdatum Website: 09.08.2017 16:30:02
Erscheinungsdatum Publikation: 10.08.2017

zurück zur Übersicht

FRANKFURT (Dow Jones)--Die sich hinziehenden staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Börsenchef Carsten Kengeter zwingen die Deutsche Börse dazu, sich nach personellen Alternativen umzuschauen. Wie die Wirtschaftswoche mit Verweis auf einen Insider berichtet, soll der Aufsichtsrat bereits über die Möglichkeit diskutiert haben, Finanzchef Gregor Pottmeyer bzw den stellvertretenden Vorsitzenden Andreas Preuß zum Nachfolger von Kengeter zu machen, sollte der Börsenchef wegen der Ermittlungen zurücktreten müssen.

Wie eine mit dem Vorgang vertraute Person zu Dow Jones Newswires sagte, bleibt Kengeter erste Wahl für die Position des Börsenchefs. Allerdings müsse sich das Unternehmen Gedanken über personelle Alternativen machen, räumte die Person ein.

Beobachter gehen davon aus, dass Kengeter sein Amt niederlegen wird, sollte die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn wegen des Verdachts auf Insiderhandel im Zusammenhang mit der gescheiterten Fusion mit der LSE einleiten.

Die bereits seit Monaten andauernden Ermittlungen dürften sich noch eine ganze Weile hinziehen. Die Deutsche Börse hat bis Mitte September Zeit, um auf das Anhörungsschreiben der Staatsanwaltschaft vom Juli zu reagieren und dürfte dieses Zeitpolster auch nutzen. Neben der Staatsanwaltschaft ermitteln die Bafin und die Börsenaufsicht.

Für die Deutsche Börse sind die Ermittlungen nicht nur peinlich, sondern verhindern auch die langsam überfällig werdende Verlängerung des Vertrags mit Kengeter. Dieser läuft im März 2018 ab. In der Regel werden bei der Deutschen Börse die Vorstandsverträge sieben bis zehn Monate vor Ablauf erneuert.

Derweil nehmen die kritischen Stimmen aus der Politik zu. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, hat unlängst personelle Wechsel bei der Deutschen Börse gefordert. "Bei aller gebotenen Zurückhaltung, die Mannschaft an der Spitze der Börse hat keine Zukunft", sagte der Landesvorsitzende der hessischen SPD dem Handelsblatt.

DJG/mpt/smh

zurück zur Übersicht