Finanz- und Wirtschaftsspiegel

Der Newsletter "Finanz- und Wirtschaftsspiegel" informiert täglich über die Aktivitäten der internationalen Zentralbanken mit Schwerpunkt auf die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve und die Bank of Japan.

Sachverständigenrat: Target2-Salden sinken wg Überliquidität nicht

Erscheinungsdatum Website: 20.03.2017 16:32:27
Erscheinungsdatum Publikation: 21.03.2017

zurück zur Übersicht

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Salden im Großbetragszahlungssystem Target2 sind nach Aussage des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auch deshalb so hoch, weil die im Eurosystem herrschende Überliquidität Mittelflüsse aus Target-Überschussländern in Defizitländer weniger notwendig macht. In ihren aktualisierten Jahresgutachten kommen die Sachverständigen gleichwohl zu dem Ergebnis, dass der Anstieg der Salden auch eine gestiegene Risikoeinschätzung hinsichtlich einiger Mitgliedstaaten beinhalten könnte.

Der Aufbau der Target2-Salden hängt laut Sachverständigenrat "teilweise" mit den Ankaufprogrammen der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen. Beispielsweise führe ein von der italienischen Notenbank durchgeführter Ankauf von Wertpapieren von einem ausländischen Investor mit Korrespondenzkonto in Deutschland zunächst zu einem Anstieg des Target2-Defizits Italiens und des Target2-Überschusses Deutschlands.

Zentralbanken kaufen Anleihen außerhalb des Euroraums

Da viele ausländische Investoren etwa am Standort Frankfurt Konten führen, kann das laut Sachverständigenrat in einem Erstrundeneffekt zu höheren Target2-Salden führen. "Die hohe Überschussliquidität im Eurosystem reduziert die Notwendigkeit, dass sich die Liquidität in einem Zweitrundeneffekt aus den Ländern mit einem Target2-Überschuss in die Länder mit einem Target2-Defizit verlagert", analysieren die Experten weiter.

Die hohe Überschussliquidität ist im wesentlichen ebenfalls das Ergebnis der Wertpapierankäufe. Im Jahr 2016 hatte sie um 24 Prozent zugenommen. Ende vergangener Woche betrug sie rund 1,4 Billionen Euro.

Dennoch könne der Anstieg der Target2-Defizite als eine finanzielle Entflechtung interpretiert werden, da ausländische Investoren ihre Risikopositionen insbesondere gegenüber Italien, Portugal und Spanien reduziert hätten. "Insofern ist nicht auszuschließen, dass darin Signale für eine gestiegene Risikoeinschätzung hinsichtlich dieser Mitgliedstaaten enthalten sind."

Target2-Forderungen der Bundesbank Ende Februar bei 814 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bundesbank befasst sich in ihrem aktuellen Monatsbericht ebenfalls mit den Target2-Salden. Ihrer Einschätzung nach spielt dabei die EZB selbst eine quantitativ bedeutende Rolle, weil sie im Rahmen des Asset Purchase Programme (APP) selbst Wertpapiere ankauft, deren zahlungsseitige Abwicklung aber über Konten bei den nationalen Zentralbanken erfolgt. Demnach stieg der Passivsaldo der EZB im Target2-System 2016 um 68 Milliarden Euro. Die Forderungen der Bundesbank nahmen 2016 um 170 Milliarden Euro zu und betrugen Ende Februar 814 Milliarden Euro.

DJG/hab/sha

zurück zur Übersicht